Noch ein Kleid in diesem Jahr!

Modell Nr. 30-34 aus der Winterausgabe der „Neuen Nähmode“ (= Simplicity 2145) steht schon seit Monaten auf meiner Nähliste und war auch in der engeren Auswahl für mein Weihnachtskleid. Julia hat mir mit ihrer Version zusätzlich Appetit gemacht; beim Finale des Weihnachtskleid-Sew-Along zeigte Pattydoo eine wunderschöne Variante in Rot. Also habe ich die freien Tage genutzt und das Kleid genäht.

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Mit dem Ergebnis bin ich durchaus zufrieden! Das Krawattenmuster des Stoffes erinnert mich an meine Urgroßmutter, die eine sehr elegante Frau war und solche Muster gerne getragen hat.

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Auch von hinten kann es sich sehen lassen. Julia hatte Bedenken wegen der Kellerfalten am Hinterteil, aber ich finde sie nicht schlimm.

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Und der Wasserfallkragen … So etwas wollte ich schon immer einmal haben! Ein Wasserfallkragen umschmeichelt in weich fallenden Falten das Dekolleté. Zumindest theoretisch. Bei mir scheint das nicht so recht zu klappen. Wie drapiert man dieses Übermaß an Stoff bloß?

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So jedenfalls sicher nicht – man beachte die merkwürdige, emporragende Stofftüte in der Bildmitte!

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Vielleicht hätte ich die Anleitung genauer lesen und nicht überheblich annehmen sollen, dass ich als „erfahrene Näherin“ das Kleid locker auch ohne zusammensetzen kann! Das geht natürlich auch, denn das Kleid ist wirklich einfach zu nähen. Nur habe ich übersehen, dass das vordere Oberteil in schrägen Fadenlauf zugeschnitten werden sollte! Ich nehme an, dass der Kragen dann tatsächlich besser fallen würde. Na gut, damit muss ich jetzt leben.

simp2145_3Die Fakten

Schnitt: Simplicity 2145 oder Meine Nähmode 4/2012, Modell 32 – mit eigener Ärmelvariante
Stoff: ca. 2,5 m graublaue Viskose mit hübschem Krawattenmuster
Nähdauer: ca. 6 Stunden (für mich als bekennende Langsamnäherin unglaublich schnell!)

Das Kleid ist einfach zu nähen. Ich habe Größe 42 genäht und lediglich das Oberteil um 2 cm verlängert, sonst keinerlei Anpassungen gemacht. An den Schulterblättern sitzt es eine Spur eng; da würde ich etwas zugeben, sollte ich das Kleid noch einmal nähen. Insgesamt passt es aber gut.

Die vorgegebenen Ärmellösungen haben mich nicht überzeugt. Deshalb habe ich an die langen Ärmel schmale Manschetten genäht – mit kleinen Schlitzen und Schlaufenknopfverschluss. Wie das gemacht wird, habe ich in zwei Nähbüchern und mehreren Zeitschriften nachgelesen und dann meine eigene Version kreiert. So gefallen mir die Ärmel ausnehmend gut!

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Weihnachts-kleid-Finale!

Weihnachtskleid-Sew-Along Teil 5: Es ist toll geworden!

Hier ist es, mein Weihnachtskleid. Es gefällt mir ganz gut.

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Das war zwischendurch keineswegs sicher. Wir haben uns nämlich im Laufe der letzten vier Wochen ein bisschen entfremdet. Während der Arbeitswoche konnte ich mich dem Kleid nicht so widmen, wie es das gerne gehabt und sicherlich auch verdient hätte. Vorwurfsvoll hing es auf seinem Kleiderbügel und ließ immer wieder unauffällig kleine, aber hinterhältige Mengen pflaumenfarbener Fäden fallen, die sich auf mysteriöse Weise im ganzen Haus verteilten. An den Wochenenden versuchte ich, so viel Zeit wie möglich mit dem Kleid zu verbringen. Aber ehrlich gesagt – es ging mir zunehmend auf die Nerven. Seine Farbe, die mich anfangs so angezogen hatte, gefiel mir überhaupt nicht mehr. Dazu kam noch der Verlust des Manschettenärmels, der uns beide hart traf. Kurz, meine Zuneigung hatte sich deutlich abgekühlt. Das wollte ich das Kleid aber keinesfalls merken lassen, schließlich sollte es nicht leiden durch meine Wankelmütigkeit! So nähte ich Wochenende für Wochenende tapfer weiter, obwohl meine Gedanken längst bei anderen Kleidungsstücken waren.

Am Freitag kam es schließlich zur großen Krise: Ich war drauf und dran, diese für mich immer belastendere Beziehung endgültig zu beenden. Das stumme Flehen des ungeliebten Weihnachtskleids, ausgedrückt durch  außerordentliche Mengen pflaumenfarbener Fädchen an den unwahrscheinlichsten Orten im Haus, konnte mein Herz nicht erweichen, sondern steigerte nur noch meine Ablehnung. Erst durch die Vermittlung gemeinsamer Freunde erklärte ich mich schließlich bereit, das Kleid zu säumen und es damit wenigstens zu vollenden. Nach getaner Arbeit verfrachtete ich es wieder auf seinen Bügel und war bereit, diese unglückliche Liaison möglichst schnell zu vergessen.

Aber irgendwann in dieser längsten Nacht des Jahres muss ein Wunder geschehen sein. Denn als ich das Weihnachtskleid am nächsten Morgen wiedersah, kam es mir eigentlich sehr schön vor! Ich zog es an und es passte und war sehr bequem. Die ursprüngliche Leidenschaft wird es wohl nicht mehr in mir erwecken können. Doch ich glaube ich, dass wir ganz gute Freunde werden können.

Auf der Suche nach einem geeigneten Ort für ein Tageslichtfoto:

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Hier ist es heller und die Details sind besser erkennbar. (Leider auch die Knitterfalten).

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Kaltes Wintertageslicht ist für den Satin nicht wirklich schmeichelhaft.

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Kerzenlicht steht ihm besser. Also genau das Richtige für ein Weihnachtskleid! Und im Jänner darf mich das Kleid ins Theater begleiten.

Für alle, die mehr über das Kleid wissen wollen, folgen die Fakten weiter unten. Für alle anderen wird es spannend – folgen Sie mir zur großen Weihnachtskleid-Parade mit Katharina! Vielen Dank für Gastfreundschaft und Begleitung durch diesen Sew-Along!

Ein schönes Weihnachtsfest
und auf ein Wiedersehen im Jahr 2013!

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Die Fakten

Schnitt: Simplicity 2754 oder (wie meine Ausgabe) Simplicity 7354 P5 – anscheinend nicht mehr erhältlich.
Stoff: 2,5 m pflaumenfarbener Baumwollsatin mit etwas Elasthan.

Der Schnitt bietet drei Ausschnitt- und drei Ärmelvarianten. Ich habe zuerst die lange Ärmelvariante mit Manschetten genäht, die mich jedoch nicht überzeugen konnte. Wahrscheinlich ist mein Satin etwas zu steif für diese voluminöse Ärmelversion. Deshalb habe ich die Ärmel deutlich gekürzt und die Gummiband-Varinate gewählt. Das gefällt mir viel besser!

Das Kleid lässt sich gut zusammen setzen. Ich mag es, wenn die einzelnen Bestandteile eines Kleidungsstücks beim Nähen perfekt ineinander passen; das ist bei diesem Schnitt der Fall. Allerdings fiel bei mir die Rückseite ziemlich sackartig aus. Ich musste die hintere Mittelnaht wieder auftrennen, denn Reißverschluss heraustrennen und auf beiden Seiten gut 2 cm wegnehmen. Jetzt sitzt das Kleid auch hinten gut.

Ein herzliches Dankeschön für die Knopftipps! Sie wurden alle wohl erwogen. Letztlich habe ich mich für diesen Knopf entschieden:

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Zu Weihnachten darf es ruhig ein bisschen kitschy sein!

Künstlerinnen: Anna Jermolaewa

In der Kunsthalle Krems wird derzeit eine Retrospektive auf das Werk von Anna Jermolaewa gezeigt. Jermolaewa wurde 1970 in St.Petersburg (damals noch Leningrad) geboren und lebt seit 1989 in Wien. Die Künstlerin arbeitet mit Fotografie, Video und Installationen.

Jermolaewa hat einen bewundernswerten Blick für ganz alltägliche Dinge, die sie mit hintergründigem Humor in Szene setzt. Sie erzählt witzige Geschichten, die eigentlich ganz schrecklich traurig sind – von Machtverhältnissen und Abhängigkeiten, von Ohnmacht und von alltäglichen, kleinen Widerständigkeiten.

In „Trying to Survive“ gerät der Untergrund in so heftige Bewegung, dass selbst die „Stehaufmännchen“ diese nicht mehr ausgleichen können und eins nach dem anderen mit einem Knall im Off verschwinden.

„Auf die Seite“ ist eine Videoinstallation, die die Aufräumarbeiten nach dem samstäglichem Flohmarkt am Wiener Naschmarkt zeigt: Mit großen Schaufeln schieben Müllwägen die Reste des Flohmarkts zusammen. „Auf die Seite!“ rufen die Müllmänner, während Menschen immer wieder versuchen, das eine oder andere brauchbare Stück vor den Schaufelbaggern zu retten.

Die Installation „Methods of Social Resistance on Russian Examples“ ist eine Würdigung der Protestdemonstration der Spielzeuge, die heuer in Barnaul/Sibirien stattfand. Nachdem ihre Anträge auf Demonstration abgelehnt worden waren, ließen VertreterInnen der Opposition Spielzeugfiguren mit Plakaten und Transparenten demonstrieren.

Die Ausstellung ist noch bis 17.2.2013 zu sehen. Unbedingte Empfehlung!

WSA 4: Ja, so wird das was!

Hier fehlt noch ein Knopf!

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Den muss ich allerdings noch kaufen. Das kann ganz schön schwierig werden, denn die Farbe des Stoffs ändert sich je nach Lichtverhältnissen gewaltig – von einem satten Bordeaux bis zu blaustichigem Lila ist alles möglich!

Zugegeben, außer dem Knopf fehlt auch noch der Saum. Und wenn ich das Bild anschaue, fällt mir auf, dass ich die Befestigung der Belege auch noch einmal überprüfen sollte. Aber insgesamt: Ja, das wird noch sicher fertig bis Weihnachten!

Die WeihnachtskleidnäherInnen haben sich noch einmal vor dem großen Finale bei Katharina versammelt!

Künstlerinnen: Sabine Hornig

Viel interessante Kunst habe ich heuer gesehen, das Spannendste davon habe ich zufällig entdeckt. So waren wir Anfang des Jahres in München, um endlich die Pinakotheken zu besuchen. Zu dieser Zeit lief in der Pinakothek der Moderne gerade die temporäre Ausstellung „Durchs Fenster“ von Sabine Hornig.

Die großformatigen Fotografien von Sabine Hornig zeigen den Blick durch Fenster in Innenräume, meist leerstehende Ladenräume. Dabei wird der Durchblick zum vielschichtigen Draufblick: Wir sehen das, was drinnen ist, und das, was draußen ist und sich in der Glasscheibe spiegelt, auf einer Ebene. Die Spiegelung, die wir normalerweise beim Hineinschauen ausblenden, der Innenraum und die Fensterscheibe selbst mit Spuren, die ihr anhaften, werden zur zweidimensionalen Fläche. Die Wirkung ist, so finde ich, fast surreal und höchst ästhetisch

In der Sprache der Ausstellungsmacher:

In einer präzisen, detailgenauen Bildsprache vereint Hornig dieses vielschichtige visuelle Gefüge aus Blicken, Durchblicken und Spiegelungen und lässt am Beispiel des urbanen Raums und seiner Wahrnehmung neuartige Bild-Raum-Vorstellungen entstehen …

Obwohl die fotografierten Ladenräume verlassen sind und sich in verschiedenen Stadien des Verfalls oder der Wiederherstellung befinden, wirken sie keineswegs trostlos, sondern vielmehr offen, erwartungsvoll und manchmal fast heiter.

Fotos gibt’s auf der Website der Künstlerin zu sehen:
www.sabine-hornig.de

MMM: Langweilig, aber warm

6:30 Uhr – wir haben minus 5° Außentemperatur, es ist stockdunkel und ich habe keine Lust. Deshalb heute das unauffällige „Ich-bin-eigentlich-gar-nicht-da“-Outfit, bestehend aus Rollkragenpullover und Rock.

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Das Me-Made-Teil ist der Walkrock. Den habe ich im letzten Winter (da war’s noch viel, viel kälter!) selbst gebastelt: Man nehme 2 trapezförmige Stücke Wollwalk in Graulila, schließe die Seitennähte (bis auf 10 cm für den Verschluss auf einer Seite) und platziere vorne und hinten Abnäher, bis das Teil um die Taille sitzt (bei mir sind’s vorne 4 und hinten 6 Abnäher geworden). Der Rock hat ein ebenso simples Viskosefutter. Mühe gegeben habe ich mir nur beim Verschluss: Knöpfe!

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Ich liebe Knopfverschlüsse! Die gefallen mir oft viel besser als Reißverschlüsse. Und es gibt so viele wunderschöne Knöpfe  …

Diese Zeit des Jahres ist für mich immer schlimm. Die Tage sind so kurz, dass es gerade erst dämmert, wenn ich morgens das Haus verlasse, und schon wieder dunkel ist, wenn ich nach Hause komme. Und irgendwie ist am Ende des Jahres auch die Energie aufgebraucht. Wie unsere charmante Gastgeberin beim Me-Made-Mittwoch, Frau Kirsche, bin ich urlaubsreif und zähle die Tage bis zu den Weihnachtsferien. Und jawohl: 4-Tage3-Tage-Woche für alle hat meine vollste Unterstützung!

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7:10 Uhr – zum „Langweilig-aber-warm“-Outfit kommen noch (von oben nach unten) Wollmütze, Schal, Steppmantel, 2 Paar Handschuhe (übereinander) und Stiefel. Irgendetwas muss man dem Frost ja entgegen setzen!

Beim Me-Made-Mittwoch zeigen auch heute wieder viele SelbstermacherInnen ihre schönen (und weit weniger langweiligen) Kleider.

WSA Teil 3: Ärmel-Fehlschlag

Hilfe, da stimmt was nicht …

Dieses Wochenende stehen die Ärmel des Weihnachtskleides auf dem Programm. Manchmal bin ich ehrgeizig. Deshalb sollen es – Premiere! – Manschetten mit hübschen Schlaufen für die Knöpfe werden.

Ärmel und Manschetten sind zugeschnitten und markiert. Es könnte eigentlich losgehen – wenn ich die Anleitung verstehen würde! Leider sind einige Arbeitsschritte eher mangelhaft beschrieben. Egal: „We’ll cross the bridge when we come to it!“

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Und siehe da, es funktioniert erstaunlich gut. Manches ist zwar eine elende Frickelei (besonders das Wenden der 6mm breiten Schläuche für die Schlaufen …), aber insgesamt klappt das super und ist eigentlich gar nicht so schwierig!

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Ein erster Verdacht keimt auf: Ist das nicht ein bisschen viel Stoff, der da für die Manschetten zusammengerafft wird? Aber das gehört so und sieht doch gut aus! Oder?

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Leider schaut der Ärmel an mir überhaupt nicht gut aus:

1. Er ist zu lang!
2. Er ist viel zu voluminös und bauschig. Das soll laut Schnittmuster zwar so sein, ist aber gar nicht nach meinem Geschmack.
3. Die doppelt verstärkte Manschette ist ein bisschen steif und die Höhe gefällt mir auch nicht so recht. Außerdem ist sie zu weit für meine schmalen Handgelenke.

Es hilft nichts: Dieser Ärmel ist ein Fehlversuch! Bevor ich mir überlege, ob und wie er zu retten ist, muss ich ein bisschen den Kopf auslüften. Deshalb trotz klirrender Kälte hinaus in den Wald.

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Zum Trost schaue ich mit die Fortschritte der anderen Teilnehmerinnen am Weihnachtskleid-Sew-Along an, die hoffentlich alle erfolgreicher sind als ich!

PS: Es gab von Anfang an Plan B, nämlich 3/4-Ärmel mit Gummizug. Dass das gar nicht so schlecht aussieht, habe ich gerade am Probekleid unserer WSA-Gastgeberin gesehen. Hmmm …