MMM Nr. 4: Landei

Mir fällt auf, dass ich anscheinend eine Neigung zu Kleidern mit einem gewissen ländlichen Charme habe. Kann das die Auswirkung kindlicher Prägung sein? Können einige wenige Jahre Aufwachsen in einem Kuhdorf solche Folgen haben?

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Heute trage ich Kleid Nr. 2 nach Simplicity Meine Nähmode 2/2012 (= New Look 6069). Kleid Nr. 1, das heißgeliebte Blaue Kleid, weckt ja eher Erinnerungen an eine Schulmädchenuniform. Nr. 2 gehört für mich mehr zur Kategorie Landei.

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Obwohl – ein bisschen 1940er-Jahre hat es auch!

Darüber brauche ich eine Strickjacke (selbstverständlich auch selbstgemacht), denn später im Büro wird mir meistens sehr rasch kalt.

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Die Fakten
Schnitt: Simplicity Meine Nähmode 2/2012 (= New Look 6069)
Stoff: weiche Baumwolle, schwarz mit kleinen weißen Blümchen
Nähdauer: weiß ich leider nicht mehr (genäht im September 2012)
Änderungen/Anpassung: Oberteil verlängert, Schultern schmäler gemacht (die üblichen Anpassungen). Reißverschluss in die linke Seitennaht verlegt. Keine Belege, sondern Ausschnitt mit selbstgemachten Schrägband eingefasst.

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Stickjacke: Drops-Jacke mit Raglanärmeln aus Drops BabyAlpaca Silk in Hellgrau

Mehr Frauen (Männer ja erfahrungsgemäß eher nicht) in Selbstgenähtem und -gestricktem – elegant oder alltagstauglich, ländlich oder urban – gibt es beim MeMadeMittwoch.

Edit: Ich stelle gerade überrascht fest, dass so etwas wie ein „Heidi-Virus“ in der Nähbloggerinnen-Community grassiert (vgl. z.B. Catherines heutigen MMM-Beitrag). Also doch keine in der Kindheit geprägten Präferenzen? War ich nur meiner Zeit voraus, als ich vorigen Herbst dieses Kleid genäht habe??

1940er Working Pants

Noch eine Simplicity 3688-40er-Jahre Hose, diesmal aus dunkelblauem Cord (oder Schnürlsamt wie der Stoff hier in Ostösterreich sehr anschaulich heißt), ist fertig.

cordhose_1_12013Ich hab die Hose schon mehrfach genäht, z.B. aus leichtem Jeansstoff. Weil ich alle Anpassungen schon in den Schnitt übertragen hatte, war die Cordversion recht schnell zusammengesetzt. Reißverschluss und Knopf befinden sich in der linken Seitennaht – im Gegensatz zu den üblichen Hosenschlitzen vorne sehr einfach zu nähen.

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Durch die Abnäher – zwei vorne und vier hinten – sitzt die Hose schön schmal auf der Hüfte. Hier erkennt man die vorderen Abnäher:

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Schnürlsamt wurde und wird gerne für Arbeitskleidung verwendet, weil er als strapazierfähig und haltbar gilt. So war/ist z.B. Jagd- und Zunftkleidung oft aus Cord. Ich habe mir also eine echte 1940er-Frauen-Arbeitshose genäht – so etwas ähnliches wie die Schweißerinnen auf dem Foto von Margaret Bourke-White aus dem Jahr 1942 tragen. Die Arbeitshosen dieser Frauen sind aber wahrscheinlich aus Denim. Das Bild stammt übrigens aus einem interessanten Artikel von Tove Hermanson über Women, Pants & Politics [Englisch]. Frauen in Hosen waren ja bis vor gar nicht allzu langer Zeit ein sehr kontroverses Thema! Tove Hermanson hat in ihrem Blog Thread for Thought noch mehr Spannendes darüber geschrieben, wie Mode mit Politik, Ökonomie, Gender, Race und Pop Culture zusammenhängt – sehr lesenswert!

Zum Schweißgerät werde ich jetzt aber nicht greifen. Meine neuen Working Pants sind viel zu schön, um sie bei schwerer, körperlicher Arbeit zu tragen!

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Die Fakten
Schnitt: Simplicity 3688 – Hose
Stoff: Schnürlsamt aus Baumwolle in dunklem Blau (hat beim Nähen gefusselt wie die Hölle!)
Nähdauer: ca. 3 Stunden

MMM Nr. 3 in Hosen

Alltagskleidung – das ist das Motto, unter den Lucy heute den MeMadeMittwoch stellt. Da passe ich mit meiner Kombination ganz gut dazu!

Ich weiß nicht, wie es anderen geht, aber ich neige dazu, beim MeMadeMittwoch vor allem die Kleider anzuschauen. Röcke, Blusen, Hosen, Shirts – sehr nett, aber unbedeutend gegenüber einem hübschen Kleid! Das ist ziemlich ungerecht von mir. Denn erstens ziehe ich selber wahrscheinlich häufiger Rock oder Hose an. Und zweitens sind Kleider nicht notwendigerweise näh- und anpassungstechnisch sooo herausfordernd. Wie beispielsweise – Hosen.

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Meine Hose ist Simplicity 3688, die Neuauflage eines Schnittmusters aus den 1940ern. Ich habe diese Hose vor etwa einem Jahr bei mehreren englischsprachigen Nähbloggerinnen gesehen (z.B. bei Debi) und ahnte: Das könnte meine Hose sein! Weites Bein, schmal um die Hüften und mit Abnähern auf Taille gebracht. Ganz im Gegensatz zu den üblichen jeansartig geschnittenen Hosen, mit denen ich immer Probleme habe, ist diese genau die richtige für die Frau mit ausgeprägter Hüfte-Taille-Differenz! Ich habe die Hose inzwischen drei Mal genäht und jedes Exemplar ist ein bisschen besser geworden. (Das letzte und beste Modell aus feiner Wolle habe ich leider letzten Herbst in einem Hotelzimmer vergessen und nicht mehr wieder bekommen. Peccato!) Zur Zeit wartet ein fast fertiges Exemplar aus Cord auf die Vollendung.

Die Hose wird mit Kopf und Reißverschluss an der Seite geschlossen.

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Dazu trage ich ein selbstgenähtes Shirt aus Viskosejersey und eine Tunika aus Schurwollwalk – sehr angenehm bei diesen Temperaturen. Die Tunika war einmal ein Kleid nach einem Burdaschnitt, an den ich mich nur mehr dunkel erinnere. Das Kleid habe ich kaum getragen. Jetzt ist das Ding 20 cm kürzer und gefällt mir viel besser! Die kleine grün-goldene Emaille-Brosche, die den zu groß geratenen Ausschnitt zusammenhält, ist übrigens Modeschmuck aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts; von wann genau weiß ich leider nicht.

Hier stimmen die Farben, dafür ist die Pose seltsam …

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Die Fakten

Schnitt: Simplicity 3688
Stoff: leichter Jeansstoff in Grau „rinsed“
Änderungen/Anpassungen: Den Bund etwas schmäler gemacht, da er sonst umklappt, bei den Abnähern herumprobiert, mit der Taillenhöhe experimentiert bis alles gepasst hat.

Und hier geht’s weiter zum MeMadeMittwoch!

MMM Nr. 2: Das Vortragskleid

Heute habe ich mein Vortragskleid an. Gelegentlich muss ich aus beruflichen Gründen kleine Vorträge oder Präsentationen halten. Ich mache das nicht gerne und versuche mich davor zu drücken, wo es nur geht. Bisher habe ich bei solchen Gelegenheiten, wenn sie sich denn nicht umgehen ließen, standardmäßig weiße Bluse und schwarze Hose getragen, meine „Verkleidung“ für diese Anlässe.

Kurz vor Weihnachten musste ich wieder einmal vor einer Gruppe von Studierenden reden. Da habe ich beschlossen, dass mir meine langjährige Verkleidung inzwischen zu blöd ist und ich unbedingt ein Vortragskleid brauche.

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Der Schnitt ist Simplicity 7051, beim MeMadeMittwoch schon von mehreren NäherInnen in vielen schönen Variationen präsentiert, und auch von mir schon einmal als Sommerkleid umgesetzt. Das Vortragskleid ist aus Romanitjersey, daher sehr bequem und bewegungsfreundlich. Das ist gut, denn ich neige, wenn ich doziere, zu ausufernden Gesten. Das Kleid ist ziemlich hingeschludert. Ich habe es werktags an drei Abenden genäht. Das ist für mich normalerweise nicht die passende Tageszeit zum Nähen, aber die Zeit war knapp und die Wochenenden ohnehin für das Weihnachtskleid reserviert. Die Innenseite ist dementsprechend die reinste Katastrophe. Aber von außen sieht es gut aus, das zählt.

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Den Reißverschluss im Rücken habe ich weggelassen. Stattdessen gibt’s zwei Knöpfe, damit mein Kopf durch den Ausschnitt passt und weil es hübsch aussieht.

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Das Kleid ist für meinen Geschmack ein bisschen kurz geraten. Ich habe noch einen Rest von dem Jersey und überlege, ob ich nicht einen Streifen ansetzen soll. Aber zu Änderungen an fertigen Kleidungsstücken kann ich mich grundsätzlich nur schwer aufraffen. Wahrscheinlich bleibt das Kleid also so wie es ist.

Die Fakten

Schnitt: Simplicity 7051
Stoff: grau-schwarz-melierter Romanitjersey
Nähdauer: drei Abende, insgesamt ca. 7-8 Stunden
Anpassungen/Änderungen: Kein Reißverschluss, dafür im Nacken eine kurze Knopfleiste mit zwei Knöpfen. Keine Belege, stattdessen am Halsausschnitt und am Ärmelsaum mit Schrägband (selbstgemacht aus gepunkteter Viskose) verstürzt.

Die Lichtverhältnisse um 7:00 Uhr morgens sind nicht gerade berauschend. Bzw. komme ich mit meiner digitalen Kamera (noch) nicht so gut zurecht, dass das keine Rolle spielen würde. (Manchmal sehne ich mich sehr nach meiner alten, analogen Yashica!) Mal sehen, wie die anderen MMM-TeilnehmerInnen mit der winterlichen Düsternis umgehen!

Zehn Kleider

Zehn Kleider habe ich im vergangenen Jahr genäht! Die vielen Kleider passen zusammen kaum auf ein Bild!

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Die hohe Anzahl überrascht mich ein bisschen. Und ich hätte geschätzt, dass ich mehr Röcke als Kleider genäht habe.

Zu den Kleidern kommen noch 6 Röcke, 4 Hosen, 3 Shirts, 2 leichte Mäntel, 1 Hemd und 1 Pyjama. Es war also ein durchaus produktives Jahr! Nicht alle Teile sind sehr gut gelungen. Aber alles ist tragbar. Komplett misslungen und in der Mülltonne gelandet sind, wenn ich mich richtig erinnere, 4 oder 5 Stücke, drei davon aus Jersey.

Jersey ist eindeutig meine Schwachstelle. Ich hab schon schöne Sachen aus diesem Material genäht, aber meine größten Misserfolge sind ebenfalls aus Jersey. Das Blöde ist, dass ich noch keine Parameter erkennen konnte, die zu Erfolg oder Misserfolg führen. Es liegt weder am Schnitt noch an der Materialzusammensetzung. Beim Verarbeiten von Jersey ist bei mir jedenfalls noch viel Luft nach oben!

Für 2013 habe ich mir vorgenommen, mehr darauf zu achten, welche Kleidungsstücke ich brauche, und weniger darauf, was mir gefällt. Die vielen schönen Kleidungsstücke (vor allem die Kleider!), die ich jede Woche beim MeMadeMittwoch zu sehen kriege, wecken in mir meistens Begehrlichkeiten: So etwas will ich auch haben! Bevor mich also der nächste MMM wieder auf Abwege bringt, werde ich dieses Wochenende mit einem Yogaoutfit beginnen. Kleider wird es aber auch 2013 geben! Gestern brachte der Briefträger ein lange erwartetes Päckchen aus den USA mit drei Vogue-Schnitten. Die wollen natürlich in nächster Zeit benutzt werden!

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Es handelt sich um V8764, V8667 und V8811 – ein Vintageschnitt nach einem Original aus 1940. Ich kann vor meinem geistigen Auge schon die schönen Frühlingskleider sehen, die ich nach diesen Schnittmustern nähen werde!

MMM Nr. 1: Blaues Kleid

Was war euer liebstes und gerne getragenes selbstgemachtes Kleidungsstück im Jahr 2012?
Diese Frage steht im Mittelpunkt des ersten MMM im Neuen Jahr. Für mich kommen dafür eigentlich nur zwei Kleidungsstücke in Frage, die ich beide sehr oft und immer wieder getragen habe – beide eher unspektakulär was Schnitt und Stoffwahl betrifft:

1. ein einfacher Rock in  A-Linie (Ottobre 5/2010, Modell Norma) aus schwarzem, dünnen Jeansstoff und
2. ein blaues Sommerkleid nach Simplicity Meine Nähmode 2/2012, Modell 34. (Der Schnitt ist in der MMM-Gemeinde schon mehrfach gezeigt worden – z.B. von Friederike.)

Der RMMM020113_5ock ist ein Teil, das immer geht, in dem ich mich sehr wohl fühle und das ich oft wähle, wenn ich früh morgens eher phantasie- und lustlos bin. Er ist sicher das Kleidungsstück, das ich 2012 am öftesten getragen habe. Und trotzdem hat er es nicht ganz auf Platz 1 geschafft, denn mein Herz gehört meinem Blauen Kleid, das mich heuer den ganzen Sommer begleitet hat!

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Ich muss es irgendwann Anfang Juni genäht haben, denn ich habe es an einem sehr heißen Junitag bei einem wichtigen Gespräch für meine berufliche Zukunft getragen. Es war im Sommerurlaub in Italien mit dabei, wurde bei diversen Ausflügen und Anlässen getragen und ich hatte es an, als ich Ende August die Früchte des Gesprächs im Juni ernten und eine neue, verantwortungsvolle Position antreten konnte. Bei allen Gelegenheiten haben das Kleid und ich eine gute Figur gemacht, denn es ist sowohl außerordentlich kleidsam als auch sehr bequem.

Das Kleid wurde genäht, als ich noch keinen Blog hatte, und es gibt keine wirklich guten Fotos. Hier deshalb ein paar aktuelle Bilder davon, in Winterausrüstung mit Shirt und Wollstrumpfhose. Funktioniert auch so!

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Ich mag es, dass die Kombination mit grauem Shirt und grauer Strumpfhose etwas an eine Schuluniform erinnert. Eine Kusine war in den 1970ern auf einer katholischen Privatschule und hatte dort eine ähnliche Uniform mit dunkelblauer Schürze mit Flügelärmelchen. Ich hab sie damals ein bisschen darum beneidet.

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Die Fakten

Schnitt: Simplicity Meine Nähmode 2/2012, Modell 34
Stoff: dunkelblauer Baumwollcretonne in mäßiger Qualität (Das Kleid hat schon ein oder zwei kleine Löcher!)
Nähdauer: ca. 2 Wochenenden (wenn ich mich richtig erinnere)
Anpassungen/Änderungen: Reißverschluss in die linke Seitennaht verlegt.

Und jetzt folgen Sie mir bitte zum Me-Made-Mittwoch, wo es viele Lieblingskleidungsstücke aus 2012 zu bewundern gibt!