Reste-Rock

Rock Aztec Nr. 2 aus Schnürlsamt ist fertig geworden.

cordrock0313_5

Der Rock ist aus einem Rest dunkelblauem Cord – übrig geblieben von der 1940er Hose. Bei Schnittmuster Aztec (aus Ottobre 5/2012) treffen an ein, zwei Schlüsselstellen bis zu sechs Stofflagen aufeinander, z.B. an der vorderen Taille Außenhülle, Abnäher, Taschenbeutel und Belege. Bei dem ziemlich voluminösen Cord wäre da eine ganz beachtliche Stoffmasse zusammengekommen. Deshalb habe ich die Belege aus einem Viskoserest gefertigt.

cordrock0313_2

Und weil meine Maschine ein paar Zierstiche kann, weil gelbes Nähgarn vorrätig war und ich Zeit hatte, habe ich die Nahtzugaben von Belegen und Futter mit einer Ziernaht befestigt. Auch die Taschen habe ich etwas schlanker gestaltet und die äußeren Taschenbeutel aus einem anderen Rest dünner Blümchenviskose zugeschnitten.

cordrock0313_3Das dunkelblaue Futter schließlich ist ein Rest vom Kleid Old School Teacher. Ich musste etwas tricksen, um ein vollständiges Futter für den Rock herauszukriegen.

cordrock0313_4

Das einzige, was ich für den Rock gekauft habe, war der Nahtreißverschluss. Ansonsten ist es ein echter Reste-Rock.

Details zum Schnittmuster und zu Rock Aztec Nr. 1 hier.

MMM im Schnee. Zu Ostern.

Was trägt die Frau beim österlichen Schneeschaufeln?

mmm270313_1
Aztec – einen Rock aus der Ottobre 5/2012. Im Heft ist Aztec aus einem Samtstoff mit scheußlichem Design* abgebildet. Da übersieht man leicht, dass das eigentlich ein sehr guter Rockschnitt ist. Aztec besteht aus vier Bahnen, hat jeweils zwei kurze Abnäher vorne und hinten und – größter Vorteil – er hat Taschen!


mmm270313_3

Ich habe Aztec aus einem doppellagigen Baumwollköper genäht – ein Reststück, das ich in meinem liebsten Stofferamschladen ergattert habe. (Der Laden ist einen eigenen Post wert!) Die eine Seite des Köpers ist langweilig blaugrau, die andere, interessantere hat die nicht näher beschreibbare Farbe Oliv-Braun-Grau-Ocker. Nach dem ersten Waschen ergab sich eine interessante Knitterstruktur, die zusammen mit der samtig angerauhten Oberfläche den Stoff fast wie Leder aussehen lässt.

mmm270313_2

Dazu ein Kaufshirt und ein Baumwolltop nach einer Drops-Anleitung, gestrickt im letzten Sommer.

Die Fakten
Schnitt: Rock Aztec, Modell 12 aus Ottobre 5/2012
Stoff: doppellagiger Baumwollköper
Änderungen/Anpassungen: Reißverschluss auf die linke Seite verlegt (im Original hinten), kein Futter (was ich bereue).

mmm270313_4

Wie es aussieht, wird diese unerwünschte Zugabe des Winters noch etwas länger andauern und wir dürfen die Ostereier im Schnee suchen. Macht nichts, da sieht man sie besser! Wie die anderen MeMadeMittwochsfrauen bekleidungstechnisch mit dem prolongierten Winter umgehen, kann man hier sehen.

* Ich bitte alle um Verzeihung, denen der Rock wie im Heft abgebildet gefällt. Mein Geschmack ist das Stoffmuster halt nicht.

Übers Nähen ohne Plan

Ich bin eine planlose Näherin. Ich nähe, was mir gerade gefällt. Oder vielmehr: Ich nähe einen Bruchteil von dem, was mir gefällt. Ich kaufe Nähzeitschriften und ich lese Nähblogs. Ich sehe viele, viele Schnittmustern, die mir gefallen und die den Gedanken in mir wecken: Das muss ich (auch) nähen! Nur einen kleinen Teil davon setze ich tatsächlich um. Ich schätze: keine 10%. Ich kann nicht sagen, welche Projekte es letztlich schaffen in die Tat umgesetzt zu werden. Ein ganze Reihe von Kriterien wäre denkbar: die Schönsten, die Einfachsten, die Herausfordernden, die aktuell Beliebtesten, die, zu denen Stoff vorhanden ist … Alle diese Motive spielen in Einzelfällen wahrscheinlich eine Rolle, aber ein Verhaltensmuster lässt sich nicht erkennen. Anscheinend habe ich keine Ahnung, was ich wann warum nähe!

nadelundfaden_gl2013

Würde ich nähen, was ich brauche, dann wären aktuell Pyjamahosen in Arbeit. Eine Hose für die Gartenarbeit, mit vielen Taschen. Eine Schürze. Aber für Arbeitskleidung kann ich mich nicht begeistern. Ich will schöne Sachen nähen. Sachen, für die man Anerkennung bekommt. Eine Pyjamahose entlockt wahrscheinlich niemandem begeisterte Kommentare – weder beim MeMadeMittwoch noch anderswo. Jawohl, Eitelkeit ist auch ein Motiv bei der Auswahl der Nähprojekte!

Mit Hilfe der planlosen Näherei sind schon wunderschöne Kleidungsstücke entstanden, die ich gerne und oft trage. Durch die planlose Näherei habe ich mich aber auch schon verzettelt, Dinge genäht, die eigentlich gar nicht zu mir passen und die ich nie anziehe. Seit Wochen denke ich darüber nach, wo ich eigentlich hin will mit der Näherei. Ich finde es wunderbar, dass ich mir Sachen nähen kann, die es nirgendwo zu kaufen gibt. Die in der Regel viel besser sitzen als Gekauftes, weil ich mich nicht entscheiden muss: soll es um die Hüfte passen oder um die Taille, an den Schultern oder rund um die Oberweite. Ich muss keine Kompromisse schließen, sondern kann – soweit es meine Fähigkeiten erlauben – das Kleidungsstück meinen Körperformen anpassen. Sollte ich diese Gabe nicht ein bisschen zielgerichteter nutzen?

mininaehplan2013

Mein Nähplan 2013

Ich versuche es einmal mit einem Miniplan. Der Nähplan enthält nur fünf Kleidungsstücke, die ich (1) sehr gut brauchen kann und (2) beim planlosen Nähen meistens übersehe oder vergesse. Ich nähe gerne Baumwollflatterkleider und vergesse die etwas solideren Schwestern, die „Anlasskleider“, die auch am Podium, bei geschäftlichen Terminen und bei der Kindstaufe eine gute Figur machen. Anlasskleid Nr. 1 ist fertig und sehr zufriedenstellend ausgefallen. Hosen sind ein weiteres Betätigungsfeld, von dem ich mich durch spektakulärere Kleidungsstücke leicht ablenken lasse. Seit ich selber welche genäht habe, überzeugt mich der Sitz gekaufter Hosen überhaupt nicht mehr. Also müssen zwei selbstgemachte Exemplare her. Und was den Blazer betrifft: Ich besitze derzeit einen einzigen Blazer, gekauft, mit den üblichen Passformproblemen (wie bringe ich meine Oberweite unter?). Attraktive Schnittmuster für alle diese Nähvorhaben gibt es genug. Da wird mir die Auswahl schwer fallen! Aber der Miniplan lässt ja noch Luft genug für planloses Nähen nebenher.

Lehrerin der alten Schule

oder: Was lange währt, wird endlich gut!

ost_1

Heuer werde ich aus beruflichen Gründen zwei oder drei „Anlasskleider“ brauchen. Die Wahl für Anlasskleid Nr. 1 fiel auf „Old School Teacher“ aus der Ottobre 5/2011. „Old School Teacher“ hat eine schlichte, eher körpernahe Silhouette und wird durch viele attraktive Abnäher in Form gebracht.

OST_tz

Es war abzusehen, dass das Oberteil mir nicht ohne Modifikationen passen würde, deshalb habe ich wohlweislich aus einem alten Betttuch ein Probeoberteil genäht. Das Probeteil zeigte deutlich die Abweichungen meiner Körperform von den Proportionen des Schnittmusters: Ich brauchte schmälere Schultern und mehr Oberweite. Deshalb habe ich mich zum ersten Mal in meiner Nähkarriere an einem Full-Bust-Adjustment versucht. Ich habe mich dafür an die Anleitung von Sewn Sushi (via Meike) gehalten und es hat ganz gut geklappt. Ein weiteres Stück Bettwäsche wurde zu Probeoberteil Nr. 2 verarbeitet, die Änderungen für gut befunden, noch ein paar Kleinigkeiten justiert – und dann konnte es ans Zuschneiden der Stoffe gehen.

OST_Stoffe

Der gewählte Stoff ist eine Viskose-Polyestermischung mit Elasthananteil (Stoff unten). Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Stoff kaufen soll. Polyester ist nicht meine erste Wahl. Aber das zarte Muster gefiel mir so gut und die Couturette hatte ein schönes Plädoyer für die Kunstfaser geschrieben und plötzlich war der Stoff auch noch im Angebot … da musste ich ihm eine Chance geben.

Bis jetzt hat er mich nicht enttäuscht. Er ließ sich gut vernähen und hat bisher keine Neigung zum Beulen gezeigt, etwas, was mir bei Polyester mit Elasthan schon öfter untergekommen ist.

ost_v2

Das Kleid war trotz zahlreicher Abnäher schnell zusammengesetzt. Auch das Futter war rasch genäht, mit einem Oberteil aus feiner karierter Baumwolle und dem Rockteil aus Viskose. Erst als Kleid und Futter schon zusammengenäht waren und nur noch die Säume fehlten, fiel mir auf, dass der Rock über dem Gesäß unschöne Falten warf. Und zwar sehr auffällige unschöne Falten.

Das war Ende Februar.

Daraufhin kam das Kleid auf einen Bügel und hing einen ganzen Monat herum. Ich hatte zwar schnell ein paar Ideen, woher das Faltenproblem kommen könnte und wie es zu lösen sei. Aber jede dieser Lösungen beinhaltete mindestens: Futter raustrennen, Reißverschluss raustrennen. Dazu hatte ich kein Lust.

OST_R2

Gestern habe ich mich schließlich aufgerafft und in einer halben Stunde das Futter vom Reißverschluss getrennt (ein handgenähte Naht aufzutrennen tut besonders weh!), die hintere Mittelnaht vom Saum bis zum Reißverschluss aufgetrennt, den Reißverschluss bis zur Höhe der Brustwirbel gelöst, Taillennaht hinten jeweils bis kurz vor der Seitennaht aufgetrennt. So konnte das Futter drinbleiben und der hintere Halsausschnitt, der so gut gelungen war, erhalten bleiben.

Dann habe ich in der hinteren Taillenmitte das Oberteil um gut 1 cm gekürzt (Hohlkreuzanpassung oder „Sway back Adjustment“). Durch diese Änderung waren die unschönen Falten schon viel weniger groß. Im nächsten Schritt habe ich die hintern Abnäher um 3 cm verlängert. Da die Taille bei „Old School Teacher“ etwas höher sitzt als die natürliche Taille, waren bei mir die Abnäher über dem Gesäß viel zu kurz; das ergab zu viel Stoff um das Kreuzbein herum. Nachdem das korrigiert war, wurde der Reißverschluss wieder hineingeflickt und das Futter per Hand befestigt. Das Ganze hat ungefähr zwei Stunden gedauert. Und ich habe es vier Wochen vor mir hergeschoben.

ost_r3

Jetzt sitzt das Kleid ganz gut – gut genug für mich jedenfalls!

ost_v3

Die Fakten
Schnitt: „Old School Teacher“ (Modell 15) aus Ottobre 5/2012 2011
Stoffe: Viskose-Polyestermischung mit Elasthan in Dunkelblau mit feinem Muster; feine Baumwolle mit Vichykaro in Hellblau und dunkelblaues Viskosefutter.
Nähdauer: ca. 25 Stunden

Änderungen/Anpassungen: Oberteile verlängert um 2 cm (Standardanpassung), außerdem Full-Bust-Adjustment (FBA) und Versetzen der Abnäher. Hinteres Oberteil an der Taille mittig um 1 cm verkürzt (Sway Back Adjustment). Im hinteren Rockteil die Abnäher um ca. 3 cm verlängert. Laut Anleitung sollten die Ärmel ebenfalls gefüttert werden; ich habe darauf verzichtet, weil die Ärmel sehr eng anliegen und die Elastizität des Oberstoffes hier von Vorteil ist.

MMM zum Frühlingsbeginn

Auch wenn die Außentemperaturen etwas anderes nahelegen: heute beginnt der (astronomische) Frühling! Für die Vögel in meinem Garten scheinen die Temperaturen ohnehin zweitrangig zu sein; sie orientieren sich am Tageslicht. Und damit haben sie recht, denn heute ist Frühlingsäquinoktium, Tag und Nacht sind ungefähr gleich lang und ab heute werden die Tage länger als die Nächte. Für die Vögel signalisiert das: Frühling! Deshalb flirten die Kohlmeisen wie nicht bei Sinnen, die Amselmännchen plustern sich im Imponiergehabe auf und sogar den scheuen Kleiber habe ich schon beim Turteln beobachtet.

mmm_200313_1

Weniger von der Liebe gewärmt als unsere gefiederten Freunde tu ich mir nicht so leicht beim Ignorieren der Minusgrade. Deshalb trage ich heute am MeMadeMittwoch mein neues Shirt aus Wolle-Viskose-Jersey und eine 1940er Hose nach Simplicity 3688. Mein Gruß an die noch junge Jahreszeit ist eine Strickjacke in Frühlingsgrün!

mmm_200313_4

Zum MeMadeMittwoch mit vielen schön gekleideten Frauen geht es hier entlang!

Rolli gegen das Scheitern

Das Nähglück war nicht auf meiner Seite in den letzten Wochen. Erstaunlich, wie zwei oder drei Misserfolge mich gleich an meinen Fähigkeiten zweifeln lassen. Deshalb habe ich am Wochenende einen ersten, kleinen Schritt aus der Nähkrise gewagt – ein Rolli als Therapie gegen das Scheitern.

rolli_burda0912_1Dieses Shirt mit Rollkragen aus der Burda 09/2012 habe ich letzten Herbst schon einmal genäht, den Schnitt für außerordentlich gut befunden und mir vorgenommen, im Winter viele weitere Exemplare zu nähen. Dann habe ich es vergessen. Auf der Suche nach einem Nähprojekt, das einen Erfolg zu 95% garantiert (ganz sicher kann man ja nie sein), habe ich den Schnitt wieder ausgegraben. Und es hat geklappt!

bluemchenrolli_2Die Fakten
Stoff: Viskosejersey mit 30% Wollanteil
Schnitt: Shirt Modell 104 aus Burda 09/2012

rolli_burda0912_3
Nähdauer: knapp 2 Stunden
Anpassungen/Änderungen: Rollkragen etwas gekürzt, da der Stoff knapp war.