Übers Nähen ohne Plan

Ich bin eine planlose Näherin. Ich nähe, was mir gerade gefällt. Oder vielmehr: Ich nähe einen Bruchteil von dem, was mir gefällt. Ich kaufe Nähzeitschriften und ich lese Nähblogs. Ich sehe viele, viele Schnittmustern, die mir gefallen und die den Gedanken in mir wecken: Das muss ich (auch) nähen! Nur einen kleinen Teil davon setze ich tatsächlich um. Ich schätze: keine 10%. Ich kann nicht sagen, welche Projekte es letztlich schaffen in die Tat umgesetzt zu werden. Ein ganze Reihe von Kriterien wäre denkbar: die Schönsten, die Einfachsten, die Herausfordernden, die aktuell Beliebtesten, die, zu denen Stoff vorhanden ist … Alle diese Motive spielen in Einzelfällen wahrscheinlich eine Rolle, aber ein Verhaltensmuster lässt sich nicht erkennen. Anscheinend habe ich keine Ahnung, was ich wann warum nähe!

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Würde ich nähen, was ich brauche, dann wären aktuell Pyjamahosen in Arbeit. Eine Hose für die Gartenarbeit, mit vielen Taschen. Eine Schürze. Aber für Arbeitskleidung kann ich mich nicht begeistern. Ich will schöne Sachen nähen. Sachen, für die man Anerkennung bekommt. Eine Pyjamahose entlockt wahrscheinlich niemandem begeisterte Kommentare – weder beim MeMadeMittwoch noch anderswo. Jawohl, Eitelkeit ist auch ein Motiv bei der Auswahl der Nähprojekte!

Mit Hilfe der planlosen Näherei sind schon wunderschöne Kleidungsstücke entstanden, die ich gerne und oft trage. Durch die planlose Näherei habe ich mich aber auch schon verzettelt, Dinge genäht, die eigentlich gar nicht zu mir passen und die ich nie anziehe. Seit Wochen denke ich darüber nach, wo ich eigentlich hin will mit der Näherei. Ich finde es wunderbar, dass ich mir Sachen nähen kann, die es nirgendwo zu kaufen gibt. Die in der Regel viel besser sitzen als Gekauftes, weil ich mich nicht entscheiden muss: soll es um die Hüfte passen oder um die Taille, an den Schultern oder rund um die Oberweite. Ich muss keine Kompromisse schließen, sondern kann – soweit es meine Fähigkeiten erlauben – das Kleidungsstück meinen Körperformen anpassen. Sollte ich diese Gabe nicht ein bisschen zielgerichteter nutzen?

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Mein Nähplan 2013

Ich versuche es einmal mit einem Miniplan. Der Nähplan enthält nur fünf Kleidungsstücke, die ich (1) sehr gut brauchen kann und (2) beim planlosen Nähen meistens übersehe oder vergesse. Ich nähe gerne Baumwollflatterkleider und vergesse die etwas solideren Schwestern, die „Anlasskleider“, die auch am Podium, bei geschäftlichen Terminen und bei der Kindstaufe eine gute Figur machen. Anlasskleid Nr. 1 ist fertig und sehr zufriedenstellend ausgefallen. Hosen sind ein weiteres Betätigungsfeld, von dem ich mich durch spektakulärere Kleidungsstücke leicht ablenken lasse. Seit ich selber welche genäht habe, überzeugt mich der Sitz gekaufter Hosen überhaupt nicht mehr. Also müssen zwei selbstgemachte Exemplare her. Und was den Blazer betrifft: Ich besitze derzeit einen einzigen Blazer, gekauft, mit den üblichen Passformproblemen (wie bringe ich meine Oberweite unter?). Attraktive Schnittmuster für alle diese Nähvorhaben gibt es genug. Da wird mir die Auswahl schwer fallen! Aber der Miniplan lässt ja noch Luft genug für planloses Nähen nebenher.

Ein Gedanke zu „Übers Nähen ohne Plan

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