Jacke

Die Jacke aus Meine Nähmode 1/2012, Modell 37, ist fertig – in bemerkenswert kurzer Zeit für eine bekennende Langsamnäherin wie mich! Am 2. April habe ich die Außenhülle der Jacke zusammengenäht, gestern Abend konnte ich die Knöpfe annähen.

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Dabei war es alles andere als einfach, aus diesem Schnitt ein tragbares Kleidungsstück zu machen. Die ersten Schwierigkeiten entstanden schon beim Kopieren der Schnitteile: Passmarken waren großteils nicht vorhanden (oder auf dem überfüllten Schnittmusterbogen nicht zu finden). Beim Nähen stellte sich heraus, dass alle Teile unterschiedlich lang waren und auch sonst nicht wirklich gut aneinander passten. Ich hatte schon den Verdacht, ich hätte die Teile versehentlich in verschiedenen Größen herauskopiert. War aber nicht so. Bei der ersten Anprobe zeigte sich dann, dass diese Jacke trotz anscheinend formgebender Wiener Nähte am ehesten einem Sack gleicht.

jackemnm37_1Mit einer für mich selbst erstaunlichen Geduld und Phantasie habe ich geändert und angepasst, sodass das Teil jetzt tatsächlich einigermaßen sitzt. Die von den Achseln ausgehenden Falten über der Brust finde ich nicht so schön. Aber vor meinen Änderungen waren die noch viel, viel größer! Mir ist leider nichts mehr eingefallen, wie man die wegbringen könnte, und so, wie sie jetzt sind, kann ich damit leben.

jackemnm37_3Die Jacke ist komplett gefüttert, mit einem cremefarbenen Futtertaft mit eingewebtem Wappen – sehr nobel! Der Futtertaft stammt aus einem Futterrestepaket von Butinette. Die Platzierung der Knöpfe und Knopflöcher musste ich nach eigenem Gutdünken machen, denn die fehlten auf dem Schnittmusterbogen komplett. Stattdessen gab es die lapidare Anweisung: „Im Abstand von 8 cm 3 Knopflöcher einarbeiten.“ Ich habe 4 Knopflöcher mit einem Abstand von 9,5 cm genäht und das passt eigentlich perfekt –  sonderbar!

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Erstaunlicherweise sitzt der Kragen super! Dabei hatte ich hier die größten Bedenken. Die Schlinge zum Aufhängen habe ich ergänzt; so etwas finde ich einfach praktisch.

jackemnm37_4Die Jacke saß vor allem am Rücken sehr sackartig. Deshalb habe ich in der hinteren Mitte eine taillierte Längsnaht eingearbeitet, die im Originalschnitt nicht vorgesehen ist. Zusammen mit den Anpassungen an den vorderen Wiener Nähten war das die entscheidende Änderung, die aus einem unansehnlichen Sack ein akzeptables Kleidungsstück gezaubert hat.

Die Fakten

Schnitt: Simplicity Meine Nähmode, Modell 37

jacke_technzeichStoff: grau-oliv-farbener Stoff unbekannter Zusammensetzung; cremefarbenes Taftfutter
Nähdauer: ca. 15 Stunden

Anpassungen/Änderungen: Es seien nur die Markantesten erwähnt …

  1. Wiener Nähte vorne: Den Bogen oberhalb der Brust zum Ärmelloch hin stärker gekrümmt. Dadurch wurde das riesige Armloch kleiner, ca. 3 cm im Umfang, und das Übermaß an Stoff oberhalb der Brust reduziert.
  2. Hintere Mitte: Eine Längsnaht, die dem natürlichen Verlauf der Wirbelsäule folgt, eingearbeitet. Dadurch konnte ich auch hinten Weite herausnehmen und die Jacke mehr auf Taille bringen.
  3. Schultern: An beiden Schultern gut 3 cm (!) weggenommen. (Anscheinend wurde die Jacke für einen Rugbyspieler entworfen.)

Zioppizopp hat die Jacke vorigen Herbst genäht und berichtet von ähnlichen Schwierigkeiten. Meine Empfehlung für dieses Schnittmuster daher: Finger weg!

2 Gedanken zu „Jacke

  1. Pingback: Schlichter Rock | Langsam nähen

  2. OK, der Kragen ist NICHT zweigeteilt, ersaunlich wie gut er fällt.
    Über den Rest schweigen wir- deine Hartnäckigkeit hat sich aber gelohnt!!

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