MMM in Regengrau

Seit ein paar Tagen haben wir hier in Ostösterreich ausgesprochen unentschlossenes Wetter: dichte Wolken, Regen mit heftigen Gewittern, dazwischen wieder Sonnenschein. Und besonders warm ist es nicht. Deshalb trage ich heute dazu passend Regengrau. Mit ein wenig Sonnengelb.

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Das Kleid ist mein „Vortragskleid“ nach Simplicity 7051 (Misses‘ 1960s Retro Dress). Das Kleid ist aus graumeliertem Romanitjersey, mein bisher einziger Versuch mit diesem Material.

MMM220513_2Hier ist erkennbar, dass die Teilungsnaht unter der Brust dazu neigt, hoch zu rutschen. Der Bequemlichkeit des Kleides tut das keinen Abbruch, aber es schaut nicht schön aus und ich muss das Kleid immer wieder zurecht zupfen.

MMM220513_3Hier bei uns müssen die Sommerkleider noch im Schrank bleiben. Beim MeMadeMittwoch schaut das ein bisschen anders aus: Catherine ist heute Gastgeberin und trägt ein schönes, blumiges Sommerkleid!

„Selber nähen“ als grober Filter

Oha, da bin ich einmal ein paar Tage nicht im Internet und schon gehen die Wogen hoch in der Näh-Community. Die MeMadeMittwoch-Crew hat ein recht ambitioniertes Papier bei der re:publica eingereicht, das im Kreis der MMM-Teilnehmerinnen (und ein darüber hinaus) für Kontroversen gesorgt hat. Nicht alle konnten sich mit den Thesen identifizieren. Ich finde es schade, dass die Frauen der MMM-Crew keine Gelegenheit bekamen, ihre Ideen bei der re:publica weiter auszuführen. Ich bin sicher, sie hätten dort eine gute Figur gemacht! An einem anderen Ort gab es wieder einmal die „Kopflose-Bilder-Debatte“. Und auch hier waren die Meinungen geteilt.

Es scheint so, dass der Filter „Kleidung selber nähen“ doch ein recht grobmaschiger ist. Da passen ganz unterschiedliche Motivationen, Vorlieben und (auch politische) Einstellungen durch. Diese Vielfalt kann bereichernd sein. Oder auch mühsam. Meistens aber spielt es (meiner Wahrnehmung nach) überhaupt keine Rolle – und das ist das Schöne an der Näh-Community!

Der MeMadeMittwoch bietet in seiner offenen, unverbindlichen Form die ideale Plattform dafür, dass so viele unterschiedliche Frauen sich über ihr gemeinsames Interesse „Nähen“ austauschen können. Jede, die sich an die wenigen, deutlich formulierten Regeln hält, wird freundlich aufgenommen, keine muss sich an- oder abmelden, niemand ist verpflichtet, sich durch die anderen Beiträge zu klicken, sich etwas anzuschauen, was sie nicht interessiert, oder die persönlichen Ansichten und Meinungen von anderen Teilnehmerinnen (inkl. MMM-Crew) zu teilen. Andererseits haben sich anscheindend durch den MMM auch schon Leute zusammengefunden, die einander auch über das gemeinsame Interesse am Nähen hinaus sympathisch sind. Ich finde dieses offene Konzept des MMM einfach großartig und kenne im Internet nichts vergleichbares!1

Wieviel (für die Teilnehmerinnen unsichtbare) Arbeit dahinter steckt, hat Meike vor Kurzem deutlich gemacht:

Wir schauen uns jeden MMM-Beitrag an, wir geben dazu Feedback oder löschen ihn auch, wenn er nicht unseren Vorgaben entspricht. Das machen wir nicht leichtfertig und es gib (sic) sehr sehr oft Fälle, in denen wir ein Vorgehen erst diskutieren.

Ich bin beeindruckt von der Mühe, die sich die MMM-Crew macht und möchte mich an dieser Stelle herzlich dafür bedanken! Ich mag den MeMadeMittwoch, so wie er ist. Und das ist keine kritiklose Lobhudelei, sondern eine durchdachte Einschätzung. Vielleicht habe ich in ein paar Monaten keine Lust mehr, am MMM teilzunehmen; vielleicht entwickelt sich der MMM auch in eine Richtung, die ich nicht mitmachen möchte. Dann hat aber niemand etwas falsch gemacht, sondern das ist einfach die Art, wie neue Dinge entstehen. Und das ist völlig in Ordnung.

1 Am ehesten noch www.wesewretro.com, aber dort geht es ausschließlich um Vintage-Kleidung und es gibt auch keinen wöchentlichen Treffpunkt wie beim MeMadeMittwoch.

MMM zwischen zwei Regenschauern

Für die Teilnahme beim MeMadeMittwoch habe ich mir selbst eine Regel auferlegt: Wenn ich mitmache, dann zeige ich das, was ich an dem jeweiligen Mittwoch tatsächlich anhabe. Fast immer bedeutet das, dass ich Fotos irgendwann morgens zwischen 6.30 und 7.00 Uhr machen muss, zwischen Frühstück, Haare bürsten, passende Ohrringe suchen und Tasche für den Tag packen. Die Bilder werden auf einen Stick kopiert und irgendwann im Laufe des Tages, wenn ich eine Pause habe, online gestellt.

mmm080513Heute gibt es deshalb nur ein Bild – und das noch dazu ganz kreativ-dynamisch in Schieflage. Beim Durchschauen der Fotos musste ich nämlich feststellen, dass auf fast allen Bildern der Jackenkragen aufgestellt war. Und noch einmal fotografieren, dafür reichte die Zeit nicht.

Nicht so schlimm, denn ich trage Sachen, die schon woanders dokumentiert sind: die Simplicity-Retro-Lieblingshose und die Meine-Nähmode-Jacke. Der Regenschirm, den ich heute sicher noch brauchen werde, ist nicht mit im Bild.

Hier geht’s weiter zum MeMadeMittwoch!

Schlichter Rock

Eben noch an der Nähmaschine, jetzt auf unserer Showbüh … äh, nein, jetzt auf dem Weg zum Familientreffen.

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Von der Meine-Nähmode-Jacke war noch Stoff übrig. Warum also nicht einen Rock dazu nähen?

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Meine Wahl fiel auf ein weiteres Modell aus Meine Nähmode, diesmal aus Heft 4/2012. Modell Nr. 8 ist ein schlichter Rock in A-Linie ohne Bund mit jeweils zwei Abnähern vorne und hinten. Laut Anleitung ist der Rock ungefüttert und am Bund wird innen einfach ein Twillband gegengenäht.

Ich habe den Rock allerdings gefüttert. Und weil ich kein Band zu Hand hatte, habe ich aus dem Oberstoff einen Streifen zugeschnitten, mit Einlage verstärkt und innen angenäht. Der Rock hat keine sichtbaren Säume außen, sowohl der Bundstreifen als auch der Saum sind von Hand genäht.

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Heute Vormittag habe ich den Rock gesäumt und bin gerade rechtzeitig fertig geworden, um das neue Kostüm zu einem Familienessen auszuführen.

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Die Fakten
Schnittmuster: Meine Nähmode 4/2012, Modell 8

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Stoff: Oberstoff unbekannter Zusammensetzung in Grauoliv; Futterstoff in Braun.
Nähdauer: ca. 4 Stunden (allein für den Saum habe ich fast eine Stunde gebraucht).
Änderungen/Anpassungen: Ich habe Größe 44 gewählt und Anpassungen waren keine nötig. Ich habe den Rock gefüttert, obwohl kein Futter vorgesehen ist.

Die große Überraschung dieses Nähprojekts war der Futterstoff. Er stammt aus einem Futterrestepaket von Butinette, deshalb kann ich nichts zur Zusammensetzung sagen. Aber der Stoff ist sehr fein, fühlt sich angenehm an, fast ein wenig wie Papier, und ist sehr wenig flutschig. Von dieser (leider unbekannten) Qualität hätte ich gerne mehr.

Tupfenkleid

Das rote Tupfenkleid ist fertig – nach vielen Mühen. Das lag nicht am Schnitt und schon gar nicht am Stoff, sondern an meiner eigenen Schlamperei. Und an einem sehr unkooperativen Reißverschluss.

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Es soll ja so etwas wie „Montagsautos“ geben, die nie so richtig funktionieren und dauernd in die Werkstatt müssen. Vielleicht gibt es das bei Reißverschlüssen ja auch! Dann habe ich eindeutig so ein Exemplar erwischt. Insgesamt fünf Mal habe ich den Zipper eingenäht. Zweimal musste ich ihn raustrennen, weil sich das Ding einfach nicht gerade einnähen hat lassen, dann noch einmal, weil der Ausschnitt im Nacken viel, viel zu weit war. Und ein viertes Mal, weil der Reißverschluss nach der Korrektur der Ausschnittweite am mittleren Rücken eine hässliche Beule machte. Nach all der Trennerei und Näherei beult der Zipper über die ganze Länge ein wenig, aber noch einmal Raustrennen mag ich nicht. Ich hoffe, dass sich das nach dem Waschen gibt.

tupfenkleid2Abgesehen von den Schwierigkeiten mit dem Reißverschluss, habe ich mir durch schlampiges Arbeiten selbst jede Menge Probleme bereitet. Durch ungenaues Zuschneiden wurde der hintere Ausschnitt viel zu weit; ich musste 6 cm (!) rausnehmen. Dann habe ich beim Einsetzen der Ärmel gepfuscht und die Kräuselung ganz schlecht verteilt. Also musste ich die Ärmel noch einmal rausnehmen, neu einhalten und wieder einsetzen.

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Dermaßen schlampig gearbeitet habe ich, weil ich das Kleid, nachdem ich es mir ausgedacht und gezeichnet hatte, unbedingt haben wollte. Und zwar schnell. So ein einfaches Baumwollkleidchen, das müsste doch in 2-3 Stunden genäht sein, dachte ich. Jetzt habe ich fast viermal so lange gebraucht. Und das Ergebniss der ganzen Mühe fällt in den Bereich „Naja, geht so“. Ein Lieblingskleid wird es nicht werden, obwohl es ein Bastard aus zwei Lieblingsschnittmustern ist.

Die Fakten
Schnittmuster: Oberteil „Old School Teacher“ Modell 15 aus Ottobre 5/2011 (schon einmal genäht); Rockteil Burda-Hemdblusenkleid
Stoff: dunkelroter Baumwollstoff mit weißen Tüpfchen, sehr hochwertige Qualität aus der Abteilung Trachtenstoffe.
Nähdauer: gut 10 Stunden

Eins der hübschen Details an „Old School Teacher“ sind die kleinen Abnäher am hinteren Ausschnitt (rechts oben vielleicht erkennbar). Die Belege habe ich mit Schrägband eingefasst. Mit auf dem Bild: der Reißverschluss aus der Hölle.

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MMM in Kittelschürze

Wie ungewohnt: Nach einem langen, ausgedehnten Frühstück kann ich in aller Ruhe Fotos für den MeMadeMittwoch machen!

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Dass ich nicht so recht warm werde mit meiner Kittelschürze, liegt am Stoffmuster. Der Schnitt ist nämlich einer meiner Lieblingsschnitte, das Burda-Hemdblusenkleid, in anderen Varianten schon hier und hier gezeigt. Ich mag die kleinen Flügelärmelchen und den Kragen; ich mag die wunderbaren roten Knöpfe, die laut Auskunft der Knopfhändlerin meines Vertrauens aus Milchproteinen (!) hergestellt wurden; ich mag auch die Stoffqualität, ein fester Baumwollstoff mit etwas Stand. Aber ich hadere mit den Blümchen, noch dazu in dieser Farbkombination. Ich weiß nicht, was ich mir dabei gedacht habe, als ich den Stoff kaufte!

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Vielleicht sollte ich Meikes Blümchenmonat Mai Revival nutzen, um mich mit den floralen Stoffmustern anzufreunden?

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Der MeMadeMittwoch wird heute angeführt von Melleni, die auch ein wenig an ihrem Kleid zweifelt. Ich dagegen finde es wunderschön! Mal schauen, wie zufrieden die anderen MMM-Frauen mit ihren selbstgenähten Kleidungsstücken sind.