„Selber nähen“ als grober Filter

Oha, da bin ich einmal ein paar Tage nicht im Internet und schon gehen die Wogen hoch in der Näh-Community. Die MeMadeMittwoch-Crew hat ein recht ambitioniertes Papier bei der re:publica eingereicht, das im Kreis der MMM-Teilnehmerinnen (und ein darüber hinaus) für Kontroversen gesorgt hat. Nicht alle konnten sich mit den Thesen identifizieren. Ich finde es schade, dass die Frauen der MMM-Crew keine Gelegenheit bekamen, ihre Ideen bei der re:publica weiter auszuführen. Ich bin sicher, sie hätten dort eine gute Figur gemacht! An einem anderen Ort gab es wieder einmal die „Kopflose-Bilder-Debatte“. Und auch hier waren die Meinungen geteilt.

Es scheint so, dass der Filter „Kleidung selber nähen“ doch ein recht grobmaschiger ist. Da passen ganz unterschiedliche Motivationen, Vorlieben und (auch politische) Einstellungen durch. Diese Vielfalt kann bereichernd sein. Oder auch mühsam. Meistens aber spielt es (meiner Wahrnehmung nach) überhaupt keine Rolle – und das ist das Schöne an der Näh-Community!

Der MeMadeMittwoch bietet in seiner offenen, unverbindlichen Form die ideale Plattform dafür, dass so viele unterschiedliche Frauen sich über ihr gemeinsames Interesse „Nähen“ austauschen können. Jede, die sich an die wenigen, deutlich formulierten Regeln hält, wird freundlich aufgenommen, keine muss sich an- oder abmelden, niemand ist verpflichtet, sich durch die anderen Beiträge zu klicken, sich etwas anzuschauen, was sie nicht interessiert, oder die persönlichen Ansichten und Meinungen von anderen Teilnehmerinnen (inkl. MMM-Crew) zu teilen. Andererseits haben sich anscheindend durch den MMM auch schon Leute zusammengefunden, die einander auch über das gemeinsame Interesse am Nähen hinaus sympathisch sind. Ich finde dieses offene Konzept des MMM einfach großartig und kenne im Internet nichts vergleichbares!1

Wieviel (für die Teilnehmerinnen unsichtbare) Arbeit dahinter steckt, hat Meike vor Kurzem deutlich gemacht:

Wir schauen uns jeden MMM-Beitrag an, wir geben dazu Feedback oder löschen ihn auch, wenn er nicht unseren Vorgaben entspricht. Das machen wir nicht leichtfertig und es gib (sic) sehr sehr oft Fälle, in denen wir ein Vorgehen erst diskutieren.

Ich bin beeindruckt von der Mühe, die sich die MMM-Crew macht und möchte mich an dieser Stelle herzlich dafür bedanken! Ich mag den MeMadeMittwoch, so wie er ist. Und das ist keine kritiklose Lobhudelei, sondern eine durchdachte Einschätzung. Vielleicht habe ich in ein paar Monaten keine Lust mehr, am MMM teilzunehmen; vielleicht entwickelt sich der MMM auch in eine Richtung, die ich nicht mitmachen möchte. Dann hat aber niemand etwas falsch gemacht, sondern das ist einfach die Art, wie neue Dinge entstehen. Und das ist völlig in Ordnung.

1 Am ehesten noch www.wesewretro.com, aber dort geht es ausschließlich um Vintage-Kleidung und es gibt auch keinen wöchentlichen Treffpunkt wie beim MeMadeMittwoch.