Klare Linie (mit Adler)

ottobre_herbst2014Das aktuelle Ottobre-Heft 5/2014 hat leider nicht viel Interessantes zu bieten. Modell Nr. 14 schien mir jedoch einen Versuch wert: Clean Lines, so der Name des Schnittmusters, klingt in meinen Ohren vielversprechend; ich habe eine Vorliebe für saubere, klare Linien. Clean Lines scheint ein bequemes, alltagstaugliches Bürokleid zu versprechen, mit Taschen (vor allem in der bevorstehenden Taschentuchzeit praktisch) und hübschen Steppnähten, aber auch mit dem Potenzial zum unförmigen Kartoffelsack. Wegen der offenen Frage „Nettes Bürokleid oder Sack?“ wählte ich für die Ausführung schwarzes Leinen aus meinem Stoffvorrat, dessen Qualität mich leider bei einem früheren Projekt nicht überzeugt hat und dessen Verlust bei Misserfolg verschmerzbar wäre .

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Das Ergebnis finde ich recht ansprechend. Das Kleid sitzt locker, aber nicht unförmig. Die Taschen verleiten natürlich dazu, ständig die Hände reinzustecken. Die Steppnähte kann man auf dem Foto oben nur ahnen, dafür ist sehr gut erkennbar, dass die Brustabnäher viel zu hoch sitzen. Da habe ich leider völlig falsch gemessen und den Fehler erst bemerkt, als das Kleid so gut wie fertig war. Egal, es ist ein Probekleid. Ich habe vor, das Kleid aus besserem Material noch einmal zu nähen, mit gut sitzenden Abnähern und vielleicht ein paar Zentimeter mehr Länge.

Die Fakten
Schnittmuster: Modell 14 Clean Lines aus Ottobre 5/2014

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Stoff: grobes, schwarzes Reinleinen
Anpassungen/Änderungen: Die Schulter um jeweils 1,5 cm schmäler gemacht.
Anpassungen/Änderungen, die ich nicht gemacht habe, obwohl sie nötig gewesen wären: Die Brustabnäher müssten etliche Zentimeter weiter nach unten. Der Halsauschnitt könnte im Nacken etwas schmäler sein. Das Kleid ist einige Zentimeter zu kurz.
Nähdauer: ca. 5 Stunden an einem verregneten Sonntag.
Anmerkung: Die Schnittmusterbögen von Ottobre sind immer eine Herausforderung. Aber Bogen C aus diesem Heft ist das Schlimmste, was mir auf diesem Gebiet jemals untergekommen ist. Der Schnitt von Modell 14 besteht aus 7 Teilen, bei jedem einzelnen Teil wollte ich fluchend aufgeben. Ich bin immer noch überrascht, dass ich durchgehalten habe und aus den mehr erratenen, als kopierten Schnittteilen wirklich ein tragbares Kleid entstanden ist.

Der Adler ziert übrigens die Rückseite der Kunsthalle Wien am Karlsplatz.