MMM 9/2014 – Es ist kalt

Es ist kalt, trüb und regnerisch. November halt. Ich bin froh, dass ich meinen neuen Wintermantel habe.

Fr. Langsam im selbstgenähten Wintermantel

Zum Mantel passend habe ich mir ein Paar warme Fäustlinge gestrickt. Vorlage hatte ich keine, nur die vage Beschreibung einer Freundin, wie der Daumen zu stricken sei: „Da nimmst du am Anfang der dritten Nadel des Nadelspiels über ein paar Runden hinweg ein paar Maschen zu, sodass so ein Keil entsteht. Dann legst du die Maschen über dem Keil still und wenn du den Rest fertig hast, dann strickst du da draus den Daumen …“  Oder so ähnlich.

Fäustlinge selbstgestrickt

Es hat jedenfalls geklappt! Die Fäustlinge haben extralange Bündchen (10 cm), so bleiben auch die Handgelenke schön warm. Das Muster besteht aus versetzten Zweier-Rippen: jede zweite Reihe wandern die Rippen um eine Masche nach rechts bzw. beim gegengleich gestrickten Handschuh nach links. (Wolle: 100% Alpaka von Pascuali)

Drüben beim MeMadeMittwoch sind die anderen Nähnerd-Frauen hoffentlich ebenso warm und komfortabel gekleidet. Außerdem gibt es dort seit Sonntag den Weihnachtskleid Sew Along 2014 und ich kann mich nicht entscheiden: Mitmachen oder nicht mitmachen?

Wintermantel 2014 – Making of

Es gibt im Internet so viele Anleitungen und nützliche Tipps für das Nähen von Mänteln, dass ich nicht glaube, auf diesem Gebiet noch etwas Essenzielles hinzufügen zu können. Wenn ich hier also ein Making of zusammenstelle, dient das in erster Linie der Dokumentation, vor allem für mich selbst, damit ich beim nächsten Mantelprojekt nicht wieder von vorne starten muss. Und vielleicht findet ja die eine oder der andere die Hinweise auch hilfreich.

Nützliche Tipps und Informationen habe ich bei den folgenden Nähblogs gefunden:

Nahtzugabe: Wintermantel-Sewalong 2012 –Nähen 1 und Nähen 2
Lucia: Wintermantel-Sewalong 2012 – Zuschnitt und Einlage
Yvonnet: Blick ins Innere einer Jacke

Gelernt habe ich während der Arbeit am Mantel einiges:

Welche Einlage?
Die Verkäuferin im Kurzwarenladen empfahl mir für die Einlage „Raschelware“, damit „der schöne Mantelflausch nicht beschwert wird und schön fällt.“ Ich hatte nie zuvor von Raschelware gehört. Inzwischen kann ich es als die Einlage am Ende von Lucias Liste von Bügeleinlagen identifizieren.

mantelnaehen_raschelware

Raschelware (auf dem Bild obenauf) ist eine gewirkte Einlage, die querelastisch, aber in der Länge stabil ist. Die Einlage wird mit viel Dampf aufgebügelt. Sie hält meiner Erfahrung nach ausgezeichnet, viel besser als die üblichen Bügeleinlagen wie z.B. Vliesline. Sie gibt tatsächlich Stabilität, ohne den Fall des Stoffes zu beeinträchtigen. Diese Einlage ist für Mäntel und Jacken unbedingt empfehlenswert! Wer bei Google „Raschelware zum Aufbügeln“ eingibt, findet rasch Angebote.

mantelnaehen_einlageaufbueg

Wo muss die Einlage hin?
Ich war bisher eher zurückhaltend bei der Verwendung von Bügeleinlage, wegen schlechter Erfahrungen mit unpassendem Materialien. Der Blick ins Innere einer Jacke bei Yvonnet und die Ausführungen von Lucia haben mich letztlich überzeugt, dass bei einem Mantel unbedingt die gesamte Vorderfront mit Einlage verstärkt werden sollte. Auch auf die Belege sollte Einlage aufgebügelt werden. Zudem habe ich Einlage auch auf Nacken- und Schulterpartie sowie die Armausschnitte der Rückenteile aufgebracht (siehe Bild).mantelnaehen_einlageruecken

Das klingt nach vielen steifen Schichten; insgeheim habe ich wenig befürchtet, dass der Mantel nach dem Aufbügeln aller Einlagen von selbst stehen kann. Bei der weichen Raschelware besteht da allerdings keine Gefahr. Die Einlage ist beim fertigen Mantel überhaupt nicht zu spüren (wie das bei gekauften Mänteln eben auch der Fall ist).

Nahtzugaben zurückschneiden?
Wenn 2-4 Schichten Mantelstoff aufeinander treffen, wird das schnell sehr voluminös. Ich war etwas unsicher, ob ich die Nahtzugaben in so einem Fall zurückschneiden sollte oder eher nicht. Bewährt hat es sich letztlich, nicht alle Lagen auf die gleiche Länge zurückzuschneiden, sondern die einzelnen Schichten der Nahtzugabe abzustufen.

Ein schöner Saum
Ich kann schlecht von Hand nähen und lebe in der steten Angst, das meine handgefertigten Nähe wieder aufgehen. (Was sie gelegentlich auch tun, aber nicht annähernd so oft, wie ich fürchte.) Deshalb versuche ich, so viel wie möglich mit der Maschine zu nähen. Bei den bisher genähten Mantel-  und Jackenprojekten ist es gut gegangen, Futter und Außenstoff einfach miteinander zu verstürzen und gründlich zu bügeln. Bei diesem Mantel war das ein großer Fehler, wie das obere Bild belegt: Ich hatte eine Art Ballonsaum produziert!

mantelnaehen_saeume

Das untere Bild zeigt den handgenähten Saum – und zwar doppelt handgenäht: Zuerst habe ich die Saumzugabe des Außenmantels umgeschlagen und von Hand fixiert, dann das Futter extra an die Saumzugabe genäht, natürlich ebenfalls von Hand. Das war zwar anstrengend und dauert seine Zeit, ergibt jedoch einen schönen, exakten Saum.

Extratipp: Weniger exzessiv Bügeln! Nicht nur habe ich mir den rechten Unterarm und den linken kleinen Finger böse verbrannt, ich habe auch jede Menge Bügeleisenabdrücke in den Wollstoff gepresst (z.B. auf dem Bild oben am Saum vage zu erkennen). Zum Glück lassen sich die mit einem feuchten Tuch leicht entfernen.

Mein Wintermantel 2014

Hier kommt er, mein erster selbstgenähter Wintermantel!

wintermantel2014_1

Der Schnitt ist Onion 1044, ein Schnittmuster (oder: „Snitmonster“) aus Dänemark, das inzwischen nicht mehr erhältlich zu sein scheint. Ich habe den Schnitt vor zwei oder drei Jahren bei einem größeren Schnittmustereinkauf mitbestellt, weil mir die großen Taschen gefielen. Bei einem Mantel finde ich große Taschen sehr praktisch – für Taschentücher, Handschuhe und gelegentlich auch die Mütze.

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Erstaunlicherweise habe ich Internet nur wenige Umsetzungen dieses Mantelschnitts gefunden: Melleni von „talentfreischön“ und Einfach Ela zeigen ihre Versionen an der Frau, bei Fridas Unikate sieht man den Mantel nur an der Puppe. Dass der Mantel so wenige Näherinnen anspricht, hat mich ein bisschen verunsichert, aber nicht davon abgehalten, den Schnitt auszuprobieren.

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Der Mantel hat sich fast von selbst genäht. Die Schnittteile passten wunderbar zusammen. Die Anleitung – sehr kurz und dänisch – habe ich nicht gebraucht. Schnittteile für das Futter enthält das „Snitmonster“ nicht, die musste ich mir selbst basteln. Eigentlich geht es dabei aber nur um das mittige Vorderteil, für das man ein Schnittteil ohne Belege benötigt – keine Hexerei also. (Das schwarze Kleid darunter ist übrigens „Clean Lines“, bei dem ich die Abnähern korrigiert und etwas mehr Länge zugegeben habe.)

Onion 1044 Innenansicht

Die Taschen (so schön groß!) sind zwischen mittigem Vorderteil und seitlichen Vorderteil mitgefasst. Das ist eine saubere Lösung, die mir gut gefällt.

wintermantel2014_4

Natürlich hätte ich das eine oder andere besser machen können. Ich möchte aber die Aufzählung der kleinen Mängel und Fehler einmal ausfallen lassen. Ich habe mich beim Nähen sehr kompetent gefühlt. Alle Nähte sitzen an der richtigen Stelle und treffen korrekt aufeinander. Das gelingt mir nicht immer! (Die Querfalte in der Armkugel kommt daher, weil ich den linken Arm erhoben habe, um meine Schulter zu fotografieren …)

Onion 1044 Detail

Die Fakten
Schnittmuster: Onion 1044
Stoffe: Mantelflausch aus 80% Schurwolle, 10% Kaschmir und 10% Polyamid; Futtersatin aus Viskose.
Sonstiges Material: Einlage („Raschelware“), 2 Schulterpolster, 2 Rollen Nähgarn, 6 Knöpfe.
Genähte Größe: 46
Anpassungen/Änderungen: Schultern um 1 cm verschmälert, in der Länge 3 cm zugegeben.
Nähdauer: 20-22 Stunden (geschätzt)
Fazit: Ich bin wirklich glücklich mit diesem Mantel!