Kleid mit Startschwierigkeiten, aber Happy End

Mein Abschlussprojekt für 2014 war Butterick 5951. Ich habe den Schnitt im Frühjahr schon einmal genäht und bin gescheitert. Das Ergebnis war so häßlich und unvorteilhaft, dass ich es ungetragen weggeworfen habe. Der hübsche Stehkragen gefiel mir aber immer noch. Mit einigem zeitlichen Abstand und ein oder zwei Änderungen, so dachte ich, müsste doch etwas Tragbares entstehen!

Butterick 5951 in Grau

Das ist geglückt. Der Weg dorthin war aber hart und von zahlreichen Missgeschicken gesäumt. Das wichtigste Utensil während des gesamten Nähprozesses war der Nahttrenner. Ich glaube, ich habe jede zweite Naht wenigstens zum Teil wieder trennen müssen. Zuerst war mir die Taille zu eng geraten. Wenn sich der Stoff, eine schön fallende Viskose-Polyester-Garbadine, nicht als Stretch-Wunder entpuppt hätte, hätte ich das Kleid nicht einmal zugekriegt. In den Seitennähten war kaum mehr Nahtzugabe drin, also musste ich die Abnäher wieder öffnen und neu nähen.

Beim Rückenreißverschluss offenbarte der Wunderstretchstoff seine Tücken: der Reißverschluss beulte scheußlich. Also musste er wieder raus, der Stoff mit Bügeleinlage stabilisiert und der Reißer wieder eingenäht werden (inkl. einer Extrarunde Reißverschlusseinnähen wegen nicht aufeinander treffender Taillen- und Kragennähte).

Wirklich gut gelungen ist die Rückseite noch immer nicht. Der Rücken ist um die Höhe der Schulterblätter etwas zu breit, deshalb staut sich der Stoff um die Armausschnitte. Ich habe hier schon Weite herausgenommen, trotzdem sitzt das Kleid an dieser Stelle einfach schlecht. Der Reißverschluss beult außerdem immer noch ein wenig.

Butterick 5951 in Grau

Meine Änderungsideen finde ich jedoch sehr gut! Ich habe die Raffungen an den Abnähern im Bauchbereich weggelassen. (mo.ni.kate hatte den gleichen Einfall!) Den Schlüssellochausschnitt habe ich bewusst kurz und schmal gehalten; er ist fast 10 cm weniger tief als das Schnittmuster vorgibt. Mir gefällt er so außerordentlich gut.

Butterick 5951 in Grau

Auf ein Futter habe ich verzichtet, da der Stoff so stark dehnbar ist – eher wie ein fester Viskosejersey als eine Garbadine. Für den Ausschnitt musste ich daher einen Beleg basteln. Der Beleg ist aus gepunkteter Baumwolle, denn die Garbadine wollte sich nicht recht mit Einlage bebügeln lassen (und ist wie gesagt sehr strechig).

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Obwohl anfangs vom schlechten Karma vefolgt, gibt es ein Happy End für das Butterick-Kleid. Ich finde es nämlich recht schön und es trägt sich sehr angenehm, fast wie ein Kleid aus Strickstoff. Es ist auch durchaus vielseitig und kann nicht nur elegant, sondern – mit Ringelshirt und Stiefeln – auch leger.

Butterick 5951 in Grau

Die Fakten
Schnittmuster: Butterick 5951 (Variante B mit anderer Ärmellösung)
Stoff: graumelierte Garbadine aus Viskose und Polyester mit Elasthan-Anteil.
Größe: 16
Änderungen/Anpassungen: Raffung im Bauchbereich weggelassen; Ausschnitt weniger tief als im Schnittmuster vorgesehen; Taille ca. 2 cm weiter gemacht; Ärmel auf 3/4-Länge gekürzt; nicht gefüttert.
Nähdauer: Das will ich gar nicht wirklich wissen.
Fazit: Gefällt, wird aber wahrscheinlich nicht so bald noch einmal genäht.

Edit 13.1.2015: Dieser Post trug ursprünglich die Überschrift „Kleid mit schlechtem Karma“. Das wird diesem sehr schönen und bequemen Kleid aber nicht gerecht. Deshalb habe ich den Titel geändert.