Ginger Jeans

Was für ein großartiges Schnittmuster! Was für schöne Jeans!

Ginger Jeans in blauem DenimGinger Skinny Jeans sind ein Schnittmuster von Closet Case Files. Schnittmusterdesignerin Heather Lou aus Montreal hat schon vor einiger Zeit mit ihrem Bombshell-Swimsuit Aufsehen in der Nähnerd-Community erregt. Vor einigen Monaten hat sie nun ein Schnittmuster für Jeans veröffentlicht und anscheinend wieder einen Hit gelandet.

Jeans sind ein heikles Thema für mich. Ich besitze eigentlich keine Kaufjeans, die wirklich gut passen. Wegen meiner ausgeprägten Sanduhr-Figur sind mir alle Hosen, die über die Hüfte passen, an der Taille hoffnungslos zu weit. Deshalb war es naheliegend, einen Versuch mit selbstgenähten Jeans zu machen. Schon seit Längerem habe ich verschiedene Schnittmuster studiert und gegeneinander abgewogen. Mein Favorit war ein Ottobre-Schnitt, bis ich vor einigen Wochen auf Ginger gestoßen bin. Ich war sehr angetan von diesem Schnittmuster, denn Ginger sieht an Frauen mit den unterschiedlichsten Figuren gut aus. Also habe ich den Schnitt gekauft – und dann lag er hier herum, weil ich keine Zeit und auch ein bisschen Respekt davor hatte. Als schließlich Mema zwei schöne Varianten von Ginger vorgestellt hat, da war klar: Ich muss diese Jeans jetzt unbedingt nähen!

Ginger Jeans Detail vorn

Ich habe Varinate A mit der niedrigen Leibhöhe gewählt und mich – nach langem Überlegen – für Größe 14 entschieden. Größe 14 wäre laut Angaben zu klein für meine Maße, aber meiner Erfahrung nach sind nahezu alle Schnittmuster größer als angegeben. Ich hatte recht, Größe 14 war die richtige Wahl.

Diese Hose zu nähen, war eine Freude. Die Anleitungen (in Englisch) sind ausführlich und anschaulich, die Nähschritte mit Bildern illustriert, und wenn doch etwas unklar sein sollte, so hilft die Dokumentation des Sewalong auf Heather Lous Website weiter. Erstmals habe ich ein Kleidungsstück vorab komplett geheftet (mit der Maschine), um den Sitz zu überprüfen. Absehbar war, dass die Jeans an der Taille zu weit sein würden. Um meiner großen Hüfte-Taille-Differenz gerecht zu werden, habe ich die hintere Mittelnaht an der Taille um ca. 1,5 cm weiter nach innen versetzt und nach unten zum Gesäß hin in die vorgegebene Nahtlinie übergehen lassen; ich habe also quasi einen Keil abgenäht. Im Bild unten sieht man Nahtlinie laut Schnittmuster durch die rote Stecknadel markiert, die grüne Stecknadel markiert die neue Nahtlinie.

Ginger Jeans Nähprozess Detail

Zudem habe ich seitlich jeweils noch 1 cm an der Taille rausgenommen, sodass diese nun insgesamt um gut 5 cm enger ist. Hätte das nicht gereicht, hätte ich alternativ kurze Abnäher in der Passe einarbeiten können. Natürlich musste ich auch das Waistband, also den Bund, entsprechend kürzen. Dazu habe ich den Bund vorsorglich nicht im Bruch, sondern in zwei Teilen mit einer Naht hinten in der Mitte zugeschnitten. So konnte ich die notwendigen Zentimeter zum Großteil dort herausnehmen.

Ganz fertig sind die Jeans noch nicht. So habe ich vorerst die Gürtelschlaufen und das Topstiching an vielen Nähten weggelassen (z.B. hintere Mittelnaht, siehe Foto unten), damit ich die Passform noch ändern kann. Mema hat durch eine Versuchsreihe aufgezeigt, dass sich Stretchdenim beim Tragen ganz schön dehnen kann. Nachdem ich die Hose  einen Tag getragen habe, kann ich schon sagen, dass das Waistband zu weit ist oder wird. Das werde ich noch enger machen. Am Bein weitet sich der Stoff zwar, aber in vertretbarem Ausmaß.

langsamnaehen_ginger_jeans_03

Die Gesäßtaschen habe ich dort platziert, wo es das Schnittmuster vorsieht. Für meinen Geschmack sitzen sie dort aber etwas tief. Beim nächsten Mal würde ich sie weiter oben platzieren. Heather bietet optional auch größere Taschen für größere Kehrseiten an. Das wäre vielleicht auch eine Alternative.

Vor dem Topstitching (mir will nicht einfallen, wie das auf Deutsch heißt) habe ich mich gefürchtet. Meine Nähte sind nämlich immer krumm, schief und zittrig. Deshalb habe ich mich bei diesem ersten Versuch für graue Nähte entschieden: Da sieht man nicht, wie unpräzise die sind. (Aus dem hellen Vichy-Karo im Foto sind die Innentaschen gefertigt.)

Ginger Jeans Nähprozess Detail

Auch zum Topstitching gibt es viele nützliche Tipps im Web, zum Beispiel bei Cashmerette. Ihre Tipps haben mich auf die Idee gebracht, die Nähfüßchen meiner Maschine durchzuschauen. Verwendet habe ich dann einen, der seitlich eine Führungsleiste hat. Keine Ahnung, wofür dieser Nähfuß eigentlich gedacht ist, mir hat er zumindest das Nähen der gerade verlaufenden Steppnähte sehr erleichtert.

Topstiching nähen

Die Fakten
Schnittmuster: Ginger Skinny Jeans von Closet Case Files
Größe: 14
Stoff: blauer Denim aus 98% Baumwolle und 2% Elasthan
Zubehör: Graues Nähgarn (auch für das Topstitching verwendet), ein Metall-Reißverschluss 14 cm (gekürzt laut Anleitung), 4 Jeansnadeln (Gelernt: Über einen Metall-Reißverschluss drüberzunähen, ist nicht gesund für Nähnadeln.)
Änderungen/Anpassungen: Taille um gut 5 cm enger genäht und den Bund ebenfalls entsprechend gekürzt.
Änderungen/Anpassungen für das nächste Mal: Die Taschen etwas höher platzieren oder vergrößern.
Nähdauer: ca. 12 Stunden.
Fazit: Das ist mein Jeansschnitt!

Ginger Jeans in blauem Denim

Jeans
Pattern: Ginger Skinny Jeans by Closet Case Files
Size: 14
Fabric: Darkblue Denim in 98% cotton and 2% elastane.
Notions: Grey thread (also used for topstitching), a metal-zip 14 cm (shortened), 4 jeans-needles (Learned the hard way: Don’t sew over a metal-zip!).
Alterations: I’m hourglass shaped, so it was no surprise, that the waist ended up rather wide for me. I took in the waist and reduced it by about 5 cm. I had to modify the waistband accordingly, so I inserted a seam at the middle of the back and shortened the waistband there.
What would I change the next time: I will place the backpockets less low. Or use larger pockets as Heather recommends in her blog. The waistband’s still a bit too wide and could match better. So I think I will redraft it a little more curved.
How long did it take: ca. 12 hours
Result: I love my new Jeans!

Falsches Wickelkleid

Dieses Kleid ist nicht nur kein echtes Wickelkleid, es ist auch ein Bastard, ein Hybrid aus zwei verschiedenen Schnitten.

Wickelkleid aus Jersey

Das gewickelte Oberteil mit kleinen Kellerfalten an den Schultern habe ich aus dem Great British Sewing Bee-Buch Sew your own wardrobe. Das dazugehörige Rockteil, ebenfalls mit Falten, gefiel mit jedoch nicht; ohnehin wollte ich keinen gewickelten Rock. Die Gefahr bekleidungstechnischer Mißgeschicke ist mir einfach zu groß. So habe ich den Rock vom Ajaccio-Kleid darangebastelt. Der schwingt nämlich ganz reizend.

Falsches Wickelkleid aus Jersey

Mit den Schnittmustern aus dem Sewing-Bee-Buch habe ich ein bisschen Probleme. Sie sind nämlich ziemlich großzügig dimensioniert, sodass die Größenwahl doch etwas schwer fällt. Jerseykleider sind allerdings nicht so passformsensibel und so komme ich mit der gewählten Größe 16 gut zurecht. Nur die Ärmel waren zu groß. Die Möglichkeiten, einen einmal zugeschnittenen Ärmel signifikant zu verschmälern sind ja leider begrenzt. So musste ich die Armkugel an der Schulter leicht einkräuseln – etwas, was ich an Jerseykleidungsstücken überhaupt nicht mag – und die Ärmelabschlüsse sind immer noch zu weit.

Falsches Wickelkleid - Detail

Das Bindeband ist ein schlichtes, langes Band, das ich zweimal um die Taille schlingen kann. Es ist etwas schmäler als gewünscht, weil zu wenig Stoff dafür übrig war. Ich hatte nur 2m von dem Viskosejersey mit Fischgrätmuster zur Verfügung; das hat gerade so für Kleid und Bindeband gereicht.

Die Fakten
Schnittmuster: Gewickeltes Oberteil  „Wrap Dress“ aus Great British Sewing Bee-Buch Sew your own wardrobe (S. 146); Rockteil nach Schnittmuster „Ajaccio“ von Schnittquelle.
Größe: Gr. 16 (Oberteil) bzw. Gr. 44 (Rockteil).
Stoff: Viskosejersey mit Fischgrätmuster in Schwarzweiß.
Änderungen/Anpassungen: Ärmel verschmälert und gekürzt.
Nähdauer: ca. 4 Stunden.
Fazit: Ein sehr schönes und bequemes Kleid, das ich seit zwei Wochen fast ständig trage. Ich bin schon auf der Suche nach einem hübschen Viskosejersey für eine weitere Version. Anscheinend werde ich jetzt zum Jerseykleid-Fan-Girl!

Mock wrap dress
Pattern(s): Bodice „Wrap Dress“ from „The Great British Sewing Bee: Sew your own wardrobe“ (p. 146); Skirt „Ajaccio“ by Schnittquelle
Size: 16
Fabric: Viscose knit
Alterations: Shortened sleeves and made them a bit tighter.
How long did it take: ca. 4 hours
Result: It’s a pretty dress and so comfy! I’ve been wearing it almost constantly for two weeks now.