Mützen stricken zwischen den Jahren

Auf der Suche nach einfachen, hübschen Strickmustern für Mützen bin ich kurz vor Weihnachten auf Koolhaas von Jared Flood gestoßen. Es war Liebe auf den ersten Blick, obwohl Koolhaas keineswegs einfach zu stricken ist (und für ein Mützenstrickmuster auch nicht gerade billig). Inzwischen habe ich Koolhaas 3x gestrickt, kann das anspruchsvolle Muster auswendig und bin sehr, sehr angetan.

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Koolhaas Nr. 1 aus blauer Sockenwolle (75% Schurwolle, 25% Polyacryl von Schachenmayr) war das Probestück. Die Anleitung empfiehlt, mit einer kurzen Rundstricknadel zu arbeiten – und das ist ein weiser Rat. Ich besitze keine Rundstricknadeln in passender Länge und habe mit einem Nadelspiel gestrickt. Mit der notwendigen Hilfsnadel waren daher oft insgesamt 6 Nadeln auf einmal zu meistern! Keine einfache Sache, ich hätte eine oder zwei zusätzliche Hände brauchen können.

Koolhaas Nr. 2 ist aus grauer Merinowolle (von Lana Grossa) und war ein Geschenk für Herrn L. Dieses Exemplar ist etwas größer und länger, denn Herr L. hat einen großen Schädel und herkömmliche Mützen sind meistens zu kurz, um seine Ohren komfortabel zu bedecken.

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Die dritte Version ist mein Lieblingmodell, aus naturfarbener Wolle, eine Alpaca-, Babykamel- und Merinomischung (von Atelier Zitron), herrlich weich und warm.

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Koolhaas* ist eine tolle Mütze! Sie sieht gut aus, sitzt durch das elastische Muster stets perfekt und ist lang genug, um die Ohren zu wärmen. Für $ 8,40 bekommt man das PDF-Strickmuster auf Englisch und auf Deutsch, aber Achtung: Die deutschsprachige Anleitung ist ab den Abnahmen für die Mützenrundung  (Seite 3, 2. Spalte oben) zum Teil fehlerhaft!

* Benannt ist die Mütze übrigens nach dem niederländischen Architekten Rem Koolhaas, einem der Planer der Seattle Central Library – die Inspiration für das Strickmuster.

Heather hält, was sie verspricht

Heather ist eine neues Schnittmuster von Sew over it (UK), das mir auf den ersten Blick sehr vielversprechend erschien: ein schlichtes, leicht ausgestelltes Jerseykleid mit interessanten Teilungsnähten, langen Ärmeln und – wichtig – großen Taschen. Das musste ich ausprobieren. Leider gibt es Heather nur als PDF. Vor dem Nähen stand also das Ausdrucken und Zusammenkleben des Schnittmusters auf dem Programm – nichts, was ich gern mache!

langsamnaehen_heath201216_xf1Das eigentliche Nähen dagegen ging flott und problemlos. Die Schnittteile passen hervorragend zusammen, auch wenn mit den Passmarken an manchen Stellen etwas nicht zu stimmen scheint. (Vielleicht habe ich aber auch schlampig abgepaust.) Das besondere an Heather sind das jeweils 3-geteilte Vorder- und Rückenteil – in der technischen Zeichnung gut zu erkennen.

langsamnaehen_heath201216_technzDie Taschen sind in die Teilungsnähte des Vorderteils eingearbeitet. Am Foto sind diese Details nur schwer zu erkennen.

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Hinten könnte meine Heather-Version eine Hohlkreuz-Anpassung vertragen: Je nach Pose sammelt sich mehr oder weniger überflüssiger Stoff im Bereich des Kreuzbeins.

langsamnaehen_heath201216_xf2Die Ärmel sind sehr eng geschnitten. Es mag aber sein, dass das nur bei meinem sehr festen, wenig elastischen Jersey grenzwertig ist. Der Stoff ist ein eher dicker, doppellagiger Viskose-Polyester-Jersey in Mittelblau mit schwarzem Fischgrätmuster. Das ist erstaunlich vielseitig und funktioniert zum Beispiel sehr gut mit der blauen Gobelin-Jacke.

langsamnaehen_heath201216_vc1Häufiger trage ich das Kleid jedoch so – mit Strickjacke und Halstuch. Und den Händen in den Taschen!

langsamnaehen_heath201216_vc2Die Fakten
Schnittmuster:
Heather Dress von Sew over it (PDF zum Downloaden, £ 7,00)
Stoff: doppellagiger Jersey aus Viskose und Polyester, außen blau gemustert, innen einfarbig schwarz.
Größe: 10 (UK)
Zubehör: Nähgarn.
Änderungen/Anpassungen: keine.
Fazit: Heather hält im Großen und Ganzen, was sie verspricht: Kleidsam, angenehm und bequem zu tragen. Durch den dicken Jersey herrlich warm.

Langsames Laufen im Dezember

Die Tage sind derzeit so kurz, dass an Aktivitäten im Freien nur am Wochenende zu denken ist. Meistens ist es trüb, feucht und kalt, sodass ich meine Sonntage eigentlich lieber in eine Decke gewickelt auf dem Sofa verbringen würde. Dabei weiß ich, dass eine Stunde bei Tageslicht an der frischen Luft das beste Mittel gegen den Winterblues ist.

Heute laufe ich um den See*. Den Enten ist auch kalt; sie haben sich am Zufluss versammelt: Hier ist es eisfrei und windgeschützt.

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Meine alte Kamera bildet Dinge ab, die in Wirklichkeit nicht da sind – z.B. der grüne Schleier im Wasser im Vordergrund.

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Ein Paradiesvogel unter der Autobahnbrücke. Das ominöse Grün nimmt überhand.

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Im Schilf verbirgt sich ein Reiher. Der Zoom meiner Kamera reicht nicht aus, um ihn auf dem Bild erkennbar zu machen.

langsamnaehen_18122916_xfc232* Der See ist der Wienerwaldsee, ein nicht mehr genutzter Stausee ca. 20 km westlich von Wien.