Heather hält, was sie verspricht

Heather ist eine neues Schnittmuster von Sew over it (UK), das mir auf den ersten Blick sehr vielversprechend erschien: ein schlichtes, leicht ausgestelltes Jerseykleid mit interessanten Teilungsnähten, langen Ärmeln und – wichtig – großen Taschen. Das musste ich ausprobieren. Leider gibt es Heather nur als PDF. Vor dem Nähen stand also das Ausdrucken und Zusammenkleben des Schnittmusters auf dem Programm – nichts, was ich gern mache!

langsamnaehen_heath201216_xf1Das eigentliche Nähen dagegen ging flott und problemlos. Die Schnittteile passen hervorragend zusammen, auch wenn mit den Passmarken an manchen Stellen etwas nicht zu stimmen scheint. (Vielleicht habe ich aber auch schlampig abgepaust.) Das besondere an Heather sind das jeweils 3-geteilte Vorder- und Rückenteil – in der technischen Zeichnung gut zu erkennen.

langsamnaehen_heath201216_technzDie Taschen sind in die Teilungsnähte des Vorderteils eingearbeitet. Am Foto sind diese Details nur schwer zu erkennen.

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Hinten könnte meine Heather-Version eine Hohlkreuz-Anpassung vertragen: Je nach Pose sammelt sich mehr oder weniger überflüssiger Stoff im Bereich des Kreuzbeins.

langsamnaehen_heath201216_xf2Die Ärmel sind sehr eng geschnitten. Es mag aber sein, dass das nur bei meinem sehr festen, wenig elastischen Jersey grenzwertig ist. Der Stoff ist ein eher dicker, doppellagiger Viskose-Polyester-Jersey in Mittelblau mit schwarzem Fischgrätmuster. Das ist erstaunlich vielseitig und funktioniert zum Beispiel sehr gut mit der blauen Gobelin-Jacke.

langsamnaehen_heath201216_vc1Häufiger trage ich das Kleid jedoch so – mit Strickjacke und Halstuch. Und den Händen in den Taschen!

langsamnaehen_heath201216_vc2Die Fakten
Schnittmuster:
Heather Dress von Sew over it (PDF zum Downloaden, £ 7,00)
Stoff: doppellagiger Jersey aus Viskose und Polyester, außen blau gemustert, innen einfarbig schwarz.
Größe: 10 (UK)
Zubehör: Nähgarn.
Änderungen/Anpassungen: keine.
Fazit: Heather hält im Großen und Ganzen, was sie verspricht: Kleidsam, angenehm und bequem zu tragen. Durch den dicken Jersey herrlich warm.

Kleid oder Nachthemd?

Ein Jerseykleid – bequem, aber nach Möglichkeit doch bürotauglich – sollte es werden, geworden ist es aber eher ein Nachthemd. Zumindest auf den ersten Blick …

langsamnaehen_142016_jkl01Die Stoffwahl – getupfter Baumwolljersey – trägt zur Anmutung von Nachtbekleidung erheblich bei, vermute ich. Mit Strümpfen und Schuhen schaut das Kleid aber dann doch ganz passabel aus.

langsamnaehen_142016_jkl04Die obere Hälfte des Kleides ist ein Schnittmuster aus dem Ottobre-Magazin 5/2016: Modell Nr. 12 „Jazzy Jacquard“. Mir gefiel das Schulterdetail: das Rückenteil ist an der Schulter etwas länger geschnitten und zieht sich bis nach vorn. Der Ausschnitt hat eine schöne, angenehme Form – nicht zu tief, aber auch nicht zu hochgeschlossen. Er ist möglicherweise ein wenig zu breit, zumindest bei meinen schmalen Schultern, sodass Unterwäsche schon einmal hervorblitzen kann.

langsamnaehen_142016_jkl02Die Brustabnäher sind ein weiteres hübsches Detail. Allerdings sind sie zu lang, was leider erst am fertigen Kleidungsstück so richtig deutlich wurde. Beim nächsten Mal …

Die Ansicht von hinten ist schlicht und unspektakulär.

langsamnaehen_142016_jkl07Mit Jeansjacke drüber taugt das „Nachthemd“ tatsächlich auch fürs Büro.

langsamnaehen_152016_jkl08Die Fakten
Schnittmuster: Modell 12 aus Ottobre-Magazin 5/2016 mit alternativem Rockteil in A-Linie (selbst konstruiert).

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Stoff: Baumwolljersey in Hellgrau mit feinen dunkelgrauen Punkten
Größe: 36
Zubehör: Nähgarn
Änderungen/Anpassungen: Oberteil um 1 cm verlängert.
Nähdauer: ca. 2,5 Stunden inkl. Zuschnitt.

Streifenkleid

Die Kombination von Querringel am Oberteil und diagonalem Streifenverlauf am Rockteil habe ich bei einem Kleid in einem Schaufenster gesehen. Das wollte ich nachnähen.

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Den gestreiften Baumwolljersey hatte ich im Stoffvorrat. Das Schnittmuster ist ein einfaches Top, das ich schon mehrfach genäht habe (Modell Nr. 19 aus Ottobre 5/2010), und ein simpler Rock in A-Linie (selbstkonstruiert).

An den Seiten treffen die Streifen fast perfekt aufeinander!

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Hals- und Armausschnitte sind mit Bündchen aus dem gleichen Streifenjersey versäubert. Dazu falte ich einen passenden Stoffstreifen längs und nähe ihn – leicht gedehnt an der rechten Seite des Ausschnitts fest; alle offenen Kanten liegen dabei übereinander. Dann klappe ich den Streifen nach oben, sodass die Nahtzugaben alle nach innen schauen, und steppe diese knappkantig ab. (Im Prinzip genauso wie in diesem Tutorial von Farbenmix.)

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Die Fakten
Schnittmuster: Top Modell 19 aus Ottobre 5/2010 und selbstkonstruierter Rockschnitt
Stoff: Baumwolljersey in Schwarz und Grau
Zubehör: Nähgarn
Größe: etwa 36
Nähdauer: ca. 2 Stunden
Fazit: Praktisches Kleid für den Urlaub!

Zweite Auflage

Die zweite Version des Reisekleids mag ich eigentlich noch lieber als die erste.

petrolkleid_06072016_101Ich mag einfarbige Kleider an mir sehr gern. Und dieses hier hat noch dazu eine meiner Lieblingsfarben: Petrol.

petrolkleid_06072016_102Es ist das perfekte Sommerkleid: Reinschlüpfen, gut aussehen und sich den ganzen Tag wohlfühlen. Waschen, trocknen und direkt von der Leine wieder reinschlüpfen.

petrolkleid_06072016_103Die Fakten:
Schnittmuster: Oberteil Shirt „Linnea“ aus Ottobre 2/2010, Rockteil selbst konstruiert.
Stoff: Viskosejersey
Größe: 36
Nähdauer: ca. 1,5 Stunden

Reisekleid

Das schlichte Kleid aus Viskosejersey hat sich als ideales Reisekleid bereits mehrfach bewährt.

langsamnaehen_jerseydress60ties_1 Es braucht kaum Platz im Koffer, knittert wenig und macht bei jeder Gelegenheit eine gute Figur.

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Das Kleid ist eine Kombination aus einem Ottobre-Shirtschnittmuster und einem einfachen Rockteil in A-Linie. Von dem Shirt habe ich schon drei Versionen genäht. Ich mag den ungewöhnlichen Ausschnitt in sehr dezenter Wasserfallform.

langsamnaehen_jerseydress60ties_3Der Viskosejersey mit Kritzelmuster erinnert ein bisschen an die Vorhänge, die meine Eltern in den 60ern in ihrer ersten Wohnung hatten – allerdings in der damals angesagten Farbstellung Orange-Oliv-Grau, wenn ich mich richtig erinnere.

langsamnaehen_jerseydress60ties_4Die Fakten:
Schnittmuster: Oberteil Shirt „Linnea“ aus Ottobre 2/2010, Rockteil selbst konstruiert.
Stoff: Viskosejersey
Größe: 36
Anpassungen: Ich habe die Armausschnitte mit Streifen eingefasst. Laut Anleitung ist nur einfaches Umschlagen vorgesehen.
Nähdauer: ca. 1,5 Stunden
Fazit: Praktisch, angenehm zu tragen und hübsch. Eine weitere Version ist derzeit in Arbeit.

Die Bilder sind übrigens Ende Mai im Elsass entstanden – vor der Kirche St. Leodegar in Guebwiller

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Änderungsschneiderei

Im vergangenen Oktober habe ich ein schmales Kleid nach einem Burdaschnitt genäht, das leider nicht ganz so ausgefallen ist wie erhofft. Hier habe ich das Kleid vorgestellt. Missfallen hat mir:

  • sackartige Passform, zu wenig figurbetont für ein Shiftdress
  • zu breiter U-Bootausschnitt.

Ich habe das Kleid nie getragen.

Zu Änderungen an im Prinzip fertigen Kleidungsstücken kann ich mich nur schwer aufraffen, selbst wenn nur eine Kleinigkeit zu ändern wäre – die Saumlänge zum Beispiel. Bei diesem Kleid war jedoch mehr zu ändern als nur die Rocklänge:

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Mema hat in den Kommentaren zum Originalpost angemerkt, dass die gewählte Kleidergröße vielleicht etwas zu groß sei. Das war angesichts der sackartigen Passform ein nahe liegender Gedanke. Um die Brust herum passte das Kleid jedoch recht gut. Daher habe ich folgendes getan:

  1. Ich habe den Beleg unter den Achseln abgelöst, sodass Seitennähte und vordere Teilungsnähte frei lagen, und den Saum aufgetrennt.
  2. Ich habe die Seitennähte füßchenbreit enger genäht.
  3. Ich habe an den vorderen Teilungsnähten oberhalb der Brustabnäher zum Armausschnitt hin jeweils einen Keil abgenäht, sodass der Armausschnitt im Umfang noch einmal etwa 1,5 cm kleiner wurde.
  4. Unterhalb des Brustabnähers habe ich die vorderen Teilungsnähte ebenfalls etwa füßchenbreit enger genäht.
  5. Insgesamt habe ich die Weite des Kleides um 6-7 cm reduziert (außer an der Brust, wo es gleich blieb).
  6. Anschließend habe ich auch den Beleg angepasst (an den Seitennähten) und wieder festgesteppt.

Das Ergebnis ist recht zufriedenstellend!

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Die seitlichen Einsätze sind jetzt etwas schmal, weil ich hier am meisten Weite rausgenommen haben. Aber das Kleid sitzt viel besser. Sogar der Ausschnitt verzieht sich nicht mehr so arg.

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Hinten hat das Kleid keine Teilungsnähte, sondern interessante Abnäher, die sich vom Armausschnitt in einem sanften Bogen bis zum Po schwingen. Der Reißverschluss ist ein bisschen kurz und reicht nur knapp über die Taille. Vor den Änderungen war das kein Problem, das Kleid war weit genug. Jetzt muss ich mich etwas mühsam hinein schlängeln. Das bleibt aber so, ich habe keine Lust, auch noch den Reißverschluss zu tauschen!

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Hier noch eine Innenansicht des Kleides. Die beiden Pfeile markieren die ursprüngliche Teilungsnaht (links) und die versetzte Teilungsnaht (rechts). Die Rocklänge habe ich auch geändert. Ich mag es in letzter Zeit etwas kürzer, deshalb habe ich enthusiastisch 4 cm vom Saum abgeschnitten. Das war dann allerdings doch zu viel. Deshalb ist der Saum jetzt mit Schrägband versäubert und nur rund 2 cm kürzer.

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Insgesamt würde ich sagen: Operation gelungen!

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Experimentierfreudig

Modell Nr. 11 aus Fashion Style 10/2015 (= Knipmode KM1510-22) ist im Wesentlichen ein leicht tailliertes Sackkleid.

This is a slightly fitted dress from the October issue of Fashion Style, the german version of the Dutch sewing magazine Knip.

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Die Besonderheiten: ein Reißverschluss vorne am V-Ausschnitt (kaum zu erkennen bei dem wilden Muster), weite 3/4-Ärmel mit manschettenähnlichen Bündchen und Taschen in der Seitennaht.

The pattern features a zipper in the front neckline (hardly recognizable in the print), loose 3/4-sleeves with fake cuffs and pockets in the side seams.

langsamnaehen_festplattenkleid122015_1Taschen sind für mich ein Pluspunkt bei einem soliden Alltagskleid.

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Das Schnittmuster sieht ausschließlich dehnbare Stoffe vor – warum, das ist bei diesem lose sitzendem Schnitt nicht wirklich verständlich. Ich habe einen Webstoff verwendet, einen schönen und angenehmen Kreppstoff aus Viskose.

The pattern asks for stretch fabric – strange since the dress is loose fitting. I used a beautiful viscose crepe which drapes softly and is very comfortable to wear.

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Ungewöhnlich für mich sind das kräftige, abstrakte Muster und die Rocklänge: das Kleid endet gut eine Handbreit über dem Knie. Beides gefällt mir aber gut.

Die Fakten
Schnittmuster: Modell Nr. 11 aus Fashion Style 10/2015

Stoff: Viskosekrepp
Größe: 38
Änderungen/Anpassungen: Ausschnitt etwas weniger tief zugeschnitten (ca. 3 cm), denn der ist laut Schnittmuster sehr, sehr tief. Die Patten bei den Nahttaschen weggelassen, da die Anleitung für mich schlicht unverständlich war, zudem wären die Patten bei dem starken Muster ohnehin kaum zu erkennen – warum mir also die Mühe machen?
Fazit: Einfach und schnell zu nähen. Gutes Alltagskleid.

Facts
Pattern: Pattern Nr. 11 from Fashion Style magazine 10/2015
Fabric: viscose crepe
Size: 38 (EU)
Alterations: Only a few – neckline altered for more modesty, omitted the welts at the sideseam pockets (because the instructions were rather confusing).
Result: Quick and easy to sew.  A nice and easy to wear dress.