2017

Für 2017 hatte ich das Ziel, Anstrengung und Stress zu reduzieren, alles ein bisschen langsamer anzugehen und meinen Alltag zu vereinfachen. Für meine Nähvorhaben bedeutete das, im Zweifel eher weniger zu nähen und mich auf Kleidungsstücke zu konzentrieren, die ich oft und gern anziehen mag. Ich glaube, das ist mir ganz gut gelungen!

  • Ich habe 21 Teile genäht und (fast) alle sind oft genutzte Bestandteile meiner Alltagsgardarobe.
  • Ich habe mehr auf die Stoffe und Farben geachtet, die ich tragen will. So habe ich zum Großteil einfarbige Stoffe in gedeckten Farben vernäht. Diese Teile ziehe ich besonders gern an.
  • Ich habe eine Patchworkdecke genäht und hatte großen Spaß daran. Seitdem formen sich in meinem Kopf Dutzende Farb- und Musterkombinationen. Zum Glück habe ich nicht die Zeit, sie umzusetzen; denn wozu bräuchte ich so viele Decken?
  • Es ist keine Schande, ein bewährtes und gut angepasstes Schnittmuster immer wieder zu nähen.

Die Lieblingsstücke 2017:

Meine beiden Ginger-Jeans, aber ganz besonders die rote!

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Kein kalter Hals beim Laufen

Solange die Temperaturen nicht deutlich unter 0° sinken, laufe ich auch im Winter gern draußen. Bewährt hat sich dabei der Zwiebellook, also Kleidung in mehreren Schichten, sodass man im Notfall auch einmal eine Schicht ausziehen kann. Am wichtigsten ist es meiner Erfahrung nach, Hals, Finger und das Hinterteil warm zu halten. Als Halswärmer bevorzuge ich einen Schlauchschal oder Snood. Der ist nicht nur praktisch, sondern auch schnell und einfach selbst zu nähen.

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5 Jahre Langsam nähen

Mein Blog hat Geburtstag! Vor fünf Jahren habe ich den ersten Beitrag veröffentlicht. Das war damals der Einstieg in den Weihnachtskleid Sewalong 2012. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so lange durchhalte.

In Zeiten von Instagramm, Snapchat usw. werden Blogs ja gern für passé erklärt. Aber Nähblogs funktionieren anscheinend immer noch. Und sogar hier, in meinem persönlichen Winkel des Internets, lesen ein paar Leute mit. Vielen Dank dafür! Bald gibt es auch wieder neuen Näh-Content.

Tessuti Sidney Jacket

Der Herbst ist heuer plötzlich und mit überraschender Kälte gekommen. Ich hatte eigentlich noch ein paar Sommerkleidungsstücke auf meiner Nähliste. Ein oder zwei begonnene Projekte habe ich noch durchgezogen, obwohl ich sie heuer kaum mehr werde tragen können. Dann war es so kalt, dass mir selbst meine Herbstnähpläne überflüssig vorgekommen sind.

Jetzt haben wir doch noch einen goldenen Herbst. Deshalb habe ich die Daunenjacke wieder im Schrank verstaut und mir schnell ein Sidney Jacket genäht. Das Sidney Jacket von Tessuti Fabrics ist 2015 in den Nähblogs aufgetaucht. Ich habe das Schnittmuster damals gleich gekauft und seither lag es als ewiges „nächstes Projekt“ auf meinem Nähtisch.

Es fehlte der passende Stoff – und in Wahrheit auch die passende Jahreszeit oder Gelegenheit für ein Kleidungsstück, das im wesentlichen eine schnell zusammengenähte Decke ist. Den passenden Stoff habe ich vor ein paar Wochen in Linz gefunden und Herr L. war so liebenswürdig, ihn mir zu schenken: ein wunderschöner, federleichter Kaschmir-Wollstrick. Das schönste, edelste und teuerste Material, das ich jemals vernäht habe!

An dieser Stelle möchte ich eine warme Empfehlung für das Stoffgeschäft Anton Baumgartner in der Linzer Landstraße aussprechen: schöne Stoffe in ausgezeichneter Qualität (mit entsprechendem Preis) und ein freundlicher, kompetenter Service! Überhaupt ist Linz einen Besuch wert, vor allem das Lentos Kunstmuseum mit hervorragend kuratierten Ausstellungen. Derzeit läuft STERNE – Kosmische Kunst von 1900 bis heute (bis 14. Jänner 2018) mit ein paar sehr unterhaltsamen Kunstwerken, zum Beispiel dem Stück für sieben Bildschirme von Teresa Präauer.  Leider nur mehr eine Woche lang (bis 22. Oktober) ist die Rauminszenierung TURNTON DOCKLANDS von Time’s Up zu sehen: eine mögliche Zukunft, angesiedelt im Jahr 2047, die trotz in der Zwischenzeit eingetretener politischer und Umweltkatastrophen positiv und optimistisch ist. Wer noch Gelegenheit hat, sollte sich das unbedingt ansehen!

Zurück zu Sidney Jacket! Der Mantel ist schnell genäht. Gesäumt werden muss nichts, da das Jacket aus gewalkter Wolle genäht wird. Etwas unsicher war ich anfangs wegen der offenen Verarbeitung der Nähte: Dabei werden die Stoffkanten 1 cm weit übereinander gelegt und in der Mitte der Überlappung die Naht gesetzt. Ich habe mir zur Unterstützung an der unten liegenden Stofflage die Überlappung markiert. So ging das Nähen dann sehr flink.

Bei strahlendem Herbstwetter habe ich heute das Sidney Jacket ausgeführt und viele Komplimente erhalten: „Glamourös und schick! Wie ein Filmstar!“ Ein Filmstar hätte aber sicher einen dienstbaren Geist, der die Hahnenfuss-Samen von der Jacke abklauben würde, bevor Fotos gemacht werden.

Die Fakten
Schnittmuster: Sidney Jacket von Tessuti Fabrics
Größe: XS (Schnittmuster von Tessuti Fabrics fallen großzügig aus!)
Stoff: Kaschmir-Wolle-Mischung, gewalkt
Zubehör: Nähgarn
Nähdauer: ca. 3 Stunden inkl. Zuschnitt
Fazit: Allein wegen des edlen Stoffes muss das ein Lieblingsstück werden!

Gelbes Laub gegen blauen Himmel

Pyjamas – lang & kurz

Pyjamahosen sind sehr befriedigende Nähprojekte, finde ich! Sie sind einfach und schnell zu nähen, kaum passformsensibel und benötigen wenig Material. Und sie sind praktische Kleidungsstücke, die wirklich Nacht für Nacht getragen werden! Zumindest gilt das für die Pyjamahosen, die ich in den letzten Wochen genäht habe. Ich hatte Mühe, alle vier Teile in ansehnlichem, gewaschenen und einigermaßen faltenfreien Zustand für die Fotos parat zu haben.  (In Wahrheit fehlt eine, die fünfte – oder eigentlich die erste, die Pilotversion der langen Pyjamahose. Die ist derzeit in Gebrauch …)

Mein bevorzugtes Schnittmuster für eine schnelle und bequeme Pyjamahose ist aus der Zeitschrift Meine Nähmode 5/2014 (= Simplicity 9505, ein offenbar nicht mehr lieferbarer Schnitt). Die Hose hat nur ein Schnittteil, besitzt daher keine Seitennähte. Pyjama Nr. 1 (oben) ist aus einem sehr girly-haften, wild gemusterten Baumwollstoff, der vor etwa zwei Jahrzehnten als Vorhang das Kinderzimmer meiner Tochter zierte. Pyjama Nr. 2 (unten) ist aus einem zartlila Quiltstoff aus Baumwolle.

Die Hose ist super schnell genäht – inklusive Zuschnitt brauche sogar ich als Nähschnecke keine Stunde dafür.

Fast genauso schnell sind die City Gym Shorts geschneidert. Diese Shorts habe ich schon einmal für meine Tochter genäht. Bei diesem Schnittmuster sind nur die Einfassungen mit Schrägband ein bisschen aufwändig. Varinate Nr. 1 ist etwas zu groß geraten (Größe L) und sitzt luftig, was aber nicht wirklich stört.

Für Varinate Nr. 2 habe ich Größe M gewählt. Diese Shorts sitzen knapper, aber durch den weichen Stoff trotzdem bequem. Beide Hosen sind übrigens aus Baumwolle: Varinate Nr. 1 aus dichter gewebter Popeline mit selbstgemachtem Schrägband in hellblauem Vichykaro, Varinate Nr. 2 aus einem weichen Quiltstoff mit gekauftem weißen Schrägband.

Beide Shorts haben mir in diesem Sommer schon treue Dienste geleistet – nicht nur als Schlafkleidung, sondern auch beim Yoga, auf dem Weg zum Pool, bei der Gartenarbeit oder einfach zum Rumlümmeln auf dem Sofa.

Die Pyjamahosen haben Maschinenstickerei als Markierung an der hinteren Bundinnenseite, damit ich sie nicht versehentlich verkehrt herum anziehe. Die zartlila Hose hat wegen Stoffmangels am Beinabschluss Bündchen in einem farblich passenden Streifenstoff.

Die Fakten
Schnittmuster Pyjamahose: Meine Nähmode 5/2014, d.h. Simplicity 9505
Größe: Im Heft steht als kleinste Größe 40/42 zur Verfügung; ich habe entsprechend meinen Maßen auf ca. Größe 38 verkleinert.
Stoffe & Zubehör: leichte Baumwollstoffe, Nähgarn, Gummiband für den Bund.

Schnittmuster Shorts: City Gym Shorts von Purl Soho (PDF-Download gratis)
Größe: Varinate Nr. 1 ist Größe M, Variante Nr. 2 ist Größe S.
Stoffe & Zubehör: leichte Baumwollstoffe, Nähgarn, Schrägband, Gummiband für den Bund.

Apropos Pyjamas:
Witness2Fashion hat einen interessanten Beitrag über Pyjamas in den 1920er Jahren, die nicht nur als Schlafbekleidung en vogue waren. Und Amercian Age of Fashion schreibt darüber, wie dieser Trend etwa ein Jahrzehnt später auch im Modeangebot des Versandhandels angekommen ist: “Work in them, sleep in them, they are always comfortable.”

Die Schürze

Gestern habe ich eine Schürze genäht.

Als ich noch jung und dumm war, hielt ich Schürzen für altmodisch und überflüssig. Heute bin ich alt und weise und verwende, nachdem ich einige Kleidungsstücke wegen bleibender Flecken entsorgen musste, immer eine Schürze, wenn ich koche. Ich habe sogar eine Lieblingsschürze: Sie stammt ursprünglich von Ikea, ist inzwischen mehr als 15 Jahre alt und bedeckt meine Vorderseite komfortabel vom Halsausschnitt bis zum Knie. Seit mehreren Jahren will ich diese Schürze kopieren, konnte mich aber nicht dazu aufraffen.
Bis gestern …

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Offenbar habe ich mir das viel zu umständlich vorgestellt: Ich dachte, ich müsste von der Originalschürze ein Schnittmuster abzeichnen. Gar nicht nötig! Einfach Stoff und Schürze im Bruch falten, die gefaltete Schürze auf den Stoff legen und drumherum mit einer großzügigen Saumzugabe zuschneiden.

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Schürze und Bänder sind aus zwei verschiedenen Baumwollstoffen. Die Bindebänder sind jeweils 110 cm lang, das Band um den Nacken ist 54 cm; in allen Längen sind jeweils 5 cm Untertritt zum Befestigen an der Schürze enthalten. Die zugeschnittene Breite ist 8 cm; die Bänder werden 2x gefaltet und sind dadurch am Ende ca. 2,5 cm breit.

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Fazit: Keine Hexerei! In weniger als einer Stunde war die Schürze fertig.