Wieder einmal Ginger

Meine ersten Ginger Jeans habe ich vor über zwei Jahren genäht. Ich habe sie heiß geliebt und gern getragen, bevor ich sie schweren Herzen weggegeben habe, weil sie nicht mehr passten. Nun habe ich mich endlich aufgerafft und die Schnittteile neu abgepaust. Ich habe Größe 10 gewählt, als Ausgangsbasis für die wahrscheinlich notwendigen Änderungen.

Es gibt nämlich einen guten Grund, warum ich selber genähte Jeans gegenüber RTW-Jeans bevorzuge: Der Unterschied zwischen Taillen- und Hüftumfang beträgt bei mir gute 26 cm. Das bedeutet zwar einen gesundheitlich außerordentlich günstigen Taille-Hüft-Quotienten, aber auch dass Kaufjeans üblicherweise so aussehen:

Ohne Gürtel sind diese Jeans kaum tragbar. Meine neuen Ginger Jeans sehen dagegen so aus:

Welche Modifikationen habe ich gemacht, um zu dieser Passform zu kommen?
1. Ich habe an den Seitennähten von der Hüfte zu Taille hin graduell jeweils 1 cm mehr abgenäht, d.h. an der Hüfte hatte ich die Standardnahtzugabe von 1,5 cm, an der Taille waren es dann im Endeffekt 2,5 cm.

2. Ich habe die Passe („Yoke“) kurviger zugeschnitten. Dazu habe ich schon vor dem Zuschnitt in das Schnittmusterteil „Abnäher“ hineingefaltet. Meinen Maßen entsprechend mußte ich pro Passenteil etwa 3 cm rausnehmen; das habe ich nach Gutdünken gefaltet und einfach ausprobiert. Hier ein Bild des gefalteten Schnittmusters im Vergleich zum Original.

Auf dem Bild ist schon die nachjustierte Version des Schnittteils zu sehen: Das freihändig veränderte Teil war immer noch ein wenig zu weit an der Taille, deshalb habe ich an der hinteren Mittelnaht noch etwas rausgenommen.

3. Den Bund habe ich ebenfalls mehr gerundet, d.h. die untere Bundkante ist um einiges länger als die obere. So legt sich der Bund schön an den Körper an. Auch hier habe ich freihändig gefaltet und das Ergebnis hat gut gepasst.

Ich habe mir für diese Ginger-Version nicht viel Mühe gemacht. Sie ist aus preisgünstigem Stretch-Denim und war von Anfang an als Probeteil zur Optimierung der Passform gedacht. Ich hab ein paar Fehler gemacht, z.B. die Münztasche („Coinpocket“) auf der falsche Seite eingenäht. Das Topstiching wurde aus Garnresten in 4 verschiedenen Ockertönen genäht und ist katastrophal krumm und schief. Im Alltag fällt aber nichts davon auf!

Inzwischen habe ich die Jeans schon mehrere Male getragen und kann sagen: Schaut doch gut aus! Die Bluse ist übrigens das geschmähte Teil von hier, das sich inszwischen zu einem Lieblingsstück entwickelt hat: Sieht gut aus, trägt sich angenehm und ist nahezu bügelfrei, was will man mehr?

Die Fakten
Schnittmuster: Ginger Skinny Jeans von Closet Case Files, Low Rise-Variante
Stoff: Demin aus Baumwolle mit Polyester und Elasthananteil; bunter Baumwollrest für die Taschen.
Größe: Größe 10 (an der Taille wahrscheinlich eher 8)
Zubehör: Nähgarn in Dunkelblau und Garnreste in diversen Ockertöne für das Topstiching; Jeansreißverschluss aus Metall; ein Metallknopf zum Einschlagen; aufbügelbare Einlage für den Bund (Vlieseline H180).
Änderungen/Anpassungen: siehe oben
Fazit: Gerne wieder!

Ginger Jeans

Was für ein großartiges Schnittmuster! Was für schöne Jeans!

Ginger Jeans in blauem DenimGinger Skinny Jeans sind ein Schnittmuster von Closet Case Files. Schnittmusterdesignerin Heather Lou aus Montreal hat schon vor einiger Zeit mit ihrem Bombshell-Swimsuit Aufsehen in der Nähnerd-Community erregt. Vor einigen Monaten hat sie nun ein Schnittmuster für Jeans veröffentlicht und anscheinend wieder einen Hit gelandet.

Jeans sind ein heikles Thema für mich. Ich besitze eigentlich keine Kaufjeans, die wirklich gut passen. Wegen meiner ausgeprägten Sanduhr-Figur sind mir alle Hosen, die über die Hüfte passen, an der Taille hoffnungslos zu weit. Deshalb war es naheliegend, einen Versuch mit selbstgenähten Jeans zu machen. Schon seit Längerem habe ich verschiedene Schnittmuster studiert und gegeneinander abgewogen. Mein Favorit war ein Ottobre-Schnitt, bis ich vor einigen Wochen auf Ginger gestoßen bin. Ich war sehr angetan von diesem Schnittmuster, denn Ginger sieht an Frauen mit den unterschiedlichsten Figuren gut aus. Also habe ich den Schnitt gekauft – und dann lag er hier herum, weil ich keine Zeit und auch ein bisschen Respekt davor hatte. Als schließlich Mema zwei schöne Varianten von Ginger vorgestellt hat, da war klar: Ich muss diese Jeans jetzt unbedingt nähen!

Ginger Jeans Detail vorn

Ich habe Varinate A mit der niedrigen Leibhöhe gewählt und mich – nach langem Überlegen – für Größe 14 entschieden. Größe 14 wäre laut Angaben zu klein für meine Maße, aber meiner Erfahrung nach sind nahezu alle Schnittmuster größer als angegeben. Ich hatte recht, Größe 14 war die richtige Wahl.

Diese Hose zu nähen, war eine Freude. Die Anleitungen (in Englisch) sind ausführlich und anschaulich, die Nähschritte mit Bildern illustriert, und wenn doch etwas unklar sein sollte, so hilft die Dokumentation des Sewalong auf Heather Lous Website weiter. Erstmals habe ich ein Kleidungsstück vorab komplett geheftet (mit der Maschine), um den Sitz zu überprüfen. Absehbar war, dass die Jeans an der Taille zu weit sein würden. Um meiner großen Hüfte-Taille-Differenz gerecht zu werden, habe ich die hintere Mittelnaht an der Taille um ca. 1,5 cm weiter nach innen versetzt und nach unten zum Gesäß hin in die vorgegebene Nahtlinie übergehen lassen; ich habe also quasi einen Keil abgenäht. Im Bild unten sieht man Nahtlinie laut Schnittmuster durch die rote Stecknadel markiert, die grüne Stecknadel markiert die neue Nahtlinie.

Ginger Jeans Nähprozess Detail

Zudem habe ich seitlich jeweils noch 1 cm an der Taille rausgenommen, sodass diese nun insgesamt um gut 5 cm enger ist. Hätte das nicht gereicht, hätte ich alternativ kurze Abnäher in der Passe einarbeiten können. Natürlich musste ich auch das Waistband, also den Bund, entsprechend kürzen. Dazu habe ich den Bund vorsorglich nicht im Bruch, sondern in zwei Teilen mit einer Naht hinten in der Mitte zugeschnitten. So konnte ich die notwendigen Zentimeter zum Großteil dort herausnehmen.

Ganz fertig sind die Jeans noch nicht. So habe ich vorerst die Gürtelschlaufen und das Topstiching an vielen Nähten weggelassen (z.B. hintere Mittelnaht, siehe Foto unten), damit ich die Passform noch ändern kann. Mema hat durch eine Versuchsreihe aufgezeigt, dass sich Stretchdenim beim Tragen ganz schön dehnen kann. Nachdem ich die Hose  einen Tag getragen habe, kann ich schon sagen, dass das Waistband zu weit ist oder wird. Das werde ich noch enger machen. Am Bein weitet sich der Stoff zwar, aber in vertretbarem Ausmaß.

langsamnaehen_ginger_jeans_03

Die Gesäßtaschen habe ich dort platziert, wo es das Schnittmuster vorsieht. Für meinen Geschmack sitzen sie dort aber etwas tief. Beim nächsten Mal würde ich sie weiter oben platzieren. Heather bietet optional auch größere Taschen für größere Kehrseiten an. Das wäre vielleicht auch eine Alternative.

Vor dem Topstitching (mir will nicht einfallen, wie das auf Deutsch heißt) habe ich mich gefürchtet. Meine Nähte sind nämlich immer krumm, schief und zittrig. Deshalb habe ich mich bei diesem ersten Versuch für graue Nähte entschieden: Da sieht man nicht, wie unpräzise die sind. (Aus dem hellen Vichy-Karo im Foto sind die Innentaschen gefertigt.)

Ginger Jeans Nähprozess Detail

Auch zum Topstitching gibt es viele nützliche Tipps im Web, zum Beispiel bei Cashmerette. Ihre Tipps haben mich auf die Idee gebracht, die Nähfüßchen meiner Maschine durchzuschauen. Verwendet habe ich dann einen, der seitlich eine Führungsleiste hat. Keine Ahnung, wofür dieser Nähfuß eigentlich gedacht ist, mir hat er zumindest das Nähen der gerade verlaufenden Steppnähte sehr erleichtert.

Topstiching nähen

Die Fakten
Schnittmuster: Ginger Skinny Jeans von Closet Case Files
Größe: 14
Stoff: blauer Denim aus 98% Baumwolle und 2% Elasthan
Zubehör: Graues Nähgarn (auch für das Topstitching verwendet), ein Metall-Reißverschluss 14 cm (gekürzt laut Anleitung), 4 Jeansnadeln (Gelernt: Über einen Metall-Reißverschluss drüberzunähen, ist nicht gesund für Nähnadeln.)
Änderungen/Anpassungen: Taille um gut 5 cm enger genäht und den Bund ebenfalls entsprechend gekürzt.
Änderungen/Anpassungen für das nächste Mal: Die Taschen etwas höher platzieren oder vergrößern.
Nähdauer: ca. 12 Stunden.
Fazit: Das ist mein Jeansschnitt!

Ginger Jeans in blauem Denim

Jeans
Pattern: Ginger Skinny Jeans by Closet Case Files
Size: 14
Fabric: Darkblue Denim in 98% cotton and 2% elastane.
Notions: Grey thread (also used for topstitching), a metal-zip 14 cm (shortened), 4 jeans-needles (Learned the hard way: Don’t sew over a metal-zip!).
Alterations: I’m hourglass shaped, so it was no surprise, that the waist ended up rather wide for me. I took in the waist and reduced it by about 5 cm. I had to modify the waistband accordingly, so I inserted a seam at the middle of the back and shortened the waistband there.
What would I change the next time: I will place the backpockets less low. Or use larger pockets as Heather recommends in her blog. The waistband’s still a bit too wide and could match better. So I think I will redraft it a little more curved.
How long did it take: ca. 12 hours
Result: I love my new Jeans!